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Dienstag, 14. Juli 2009

Die letzten Tage in Beijing

Die letzte Woche in Beijing hatte ich, dank ein bisschen Vorarbeit, mehr oder weniger frei. Den fruehen Morgen verbrachte ich bei Chinesisch, die folgenden Stunden mit diversen organisatorischen Kleinigkeiten und auch ein paar Bierchen am Abend. Unzaehlige Formulare waren auszufuellen, die Koffer zu packen, die Reise zu planen und es galt, allen Lebewohl zu sagen. Eine nette Abwechslung war der Besuch eines Journalisten, der u.a. ueber deutsche Studenten in China zu schreiben plant und sich daher ein paar Tage mit uns und unserem Alltag an der Tsinghua auseinandersetzte.

Von Temple of Heaven - Tian tan
Darf ich bitten?

Da Alice und ich beide noch nicht im Himmelstempel aka Tiantan aka Temple of Heaven waren, haben wir die Anlage im Sueden Pekings am Dienstag vor Alices Abreise besucht. Der einzige runde Tempel Chinas ist eingebettet in eine grosse nette Parkanlage, in der sich am kuehlen Morgen die Senioren Pekings tummeln. Hier wird getanzt, gespielt, musiziert und mit Wasser der Boden kalligraphiert.

Speisen beim Koreaner

Der Tempel an sich ist meines Erachtens nett, die Anlage aber eher wegen dem Park ein Besuch wert. Den Abend verbrachten wir mit ein paar Deutschen Freunden und chinesischem Anhang in einem der koreanischen Restaurants in der Naehe vom Wudaokou. Diesmal ausnahmsweise kein Barbecue, dafuer eine Reihe anderer unbekannter Koestlichkeiten.

Von Temple of Heaven - Tian tan

Freitag, 1. Mai 2009

Endlich Stille

Von Jiankou #2

Stille, absolute Stille. Leises Knistern des Lagerfeuers, sonst nichts. Wie laut der Geräuschpegel rund um die Uhr ist, merke ich als ich das Blut in meinen Ohren rauschen höre und ernsthaft überlegen muss, wann ich so etwas das letzte Mal gehört habe. Ich musste an den Autor Terry Pratchett denken, der sich oft und gern über wahre Stille auslässt.

Wir sitzen mal wieder auf der Brüstung des Turmes, den wir schon vor mehr als einem halben Jahr zu unserem Schlafplatz auserkoren haben. Wir genießen eine wohlverdiente Dose Yanjing, nachem wir den Berg über "Jiankou Great Wall", dem vielleicht bizarrsten Mauerstück in Pekings Umgebung erklommen haben. Was letztes Mal noch 3 Stunden dauerte, haben wir diesmal in weniger als einer geschafft. Der Feiji Shifu hatte vor ein paar Wochen Heiko und Sven am unteren Ende des einzigen leichten Weges zu dieser Stelle abgeholt und konnte uns so an der richtigen Stelle absetzen.

Von Jiankou #2

Den Abend konnten wir bei Grillfleisch und Lagerfeuer genießen. Es war vor allem eines: Still. Lediglich das übliche Feuerwerk im Tal und ein paar fiepsende Ratten waren zu hören - Ein Traum. Relativ früh schlugen wir unsere Zelte auf - der Vorabend im Propanda hatte seine Spuren hinterlassen. Das wir uns noch einmal in Richtung Jiankou aufgemacht haben, wurde durch Hennings Besuch aus der Heimat begründet. Die ganze letzte Woche hatten mich die Rundmails der Freunde aus Aachen und Münster neidisch gemacht, die fleißig ihre Maitour planten. Und da an der Tsinghua gerade auch noch Maiferien sind, konnten wir einfach nicht Nein sagen, noch einmal Ablenkung von der Studienarbeit einzulegen. Für einen Bollerwagen auf der Mauer hat's zwar nicht gereicht, aber waren der Meinung einen ebenbürtigen Ersatz gefunden zu haben.

Von Jiankou #2

Während am Abend noch die Sonne schien, war das Wetter am Freitag eher schlecht. Wir verpassten mal wieder den Sonnenaufgang, konnten dafür dann aber etwas entspannter ausschlafen ohne wie beim letzten Mal von Chinesen belagert zu werden. Der Rückweg über Mutianyu stellte sich als deutlich schneller und leichter heraus, als wir ihn in Erinnerung hatten - schon gegen Mittag waren wir wieder im Wohnheim.

Von Jiankou #2
Mehr Fotos gibts hier.

Montag, 6. April 2009

Peking erkunden II

Durch den Besuch von David und Nadine war ich in der glücklichen Lage eine Ausrede für ausgedehnte Touren durch Peking zu haben. So konnte ich viele Orte erneut besuchen die mich an Peking fasziniert haben.
Von Verbotene Stadt

Am ersten Tag gings als erstes zur Verbotenen Stadt und dem Platz des Himmlischen Friedens. Dies ist der Ort, wo der rote Putz/Schein des Kommunismus wohl am symbolträchtigsten von den Wänden blättert und darunter grauen, tristen Beton offenbart, zu dessen Grund das Volk herumlümmelt. "China - ein Volk schuftet sich nach oben" hab ich mal als Titel auf eine Zeitschrift mit rotem Rand in Deutschland gelesen - was für eine Worthülse, wenn man denen mal beim Arbeiten zugesehen hat.
Von Sommerpalast #2

Der nächste Haken auf der Touri-Liste war der Sommerpalast nicht weit von unserer Uni, wo wir dank Heiko und Jo mit geliehenen Fahrrädern hinfahren konnten. Die Anlage ist wohl die schönste hier in Peking und von daher immer wieder nett für einen Besuch, und wenn es nur ist um den chinesischen Tourihorden dabei zuzusehen ihren Führern mit Fähnchen und Megafon hinterherzutrotten oder im Kunmingteich ein paar Fische zu fangen.
Von Hutongs

Nach der Tour durch Shanghai, Xi'an und co. stand noch ein Spaziergang durch Hutongs nahe den Drum - und Belltowern. Hutongs ist der Begriff für die Sträßchen mit kleinen einstöckigen Häusern mit Innenhof und Kommunentoiletten, wie es früher Pekings Bau- und Wohnstil war.

Fotos gibts beim Draufklicken auf die kleinen Vorschau-Bildchen.

Mittwoch, 1. April 2009

Chang Cheng Teil 2 - Jinshanling nach Simatai

"Ihr wollt Bier? Ich hab hier zwei Dosen!" - "Wir sind aber fünf Leute..." - "Oh kein Problem, ich führe euch zu meinem Bierversteck!"
Sprach's, und so begleitete uns die geschäftstüchtige Chinesin auf 2 Km auf der Großen Mauer um uns unser verdientes Gipfelbier auf dem Weg von Jinshanling nach Simatai zu vergönnen. Die Geldgier der Chinesen nimmt manchmal echt praktische Züge an, dachte ich mir da. Manchmal jedoch ist sie auch recht unangenehm. Und wie es halt so ist in China, liegen Gegensätze oft nicht weit auseinander. Nur 3 Km weiter wartet auf uns ein ganzer Haufen Abzocker, die uns für jeden noch so kleinen Mist auf der Mauer Geld aus der Tasche ziehen wollen. Und das natürlich stets nachdem der eigentliche "Dienst" schon längst in Anspruch genommen ist und man angeblich nicht mehr anders kann als bezahlen.
"Für die Brücke grad müsst ihr übrigens 5 Yuan Gebühr bezahlen!"
Und so weiter...
Von Jinshanling - Simatai

Davon einmal abgesehen war die Tour mit David, Nadine, Flo und seinen beiden Besuchern zur Chang Cheng ein echtes Vergnügen. Unser Fahrer (diesen Luxus kann man sich hier durchaus erschwinglich leisten) holte uns an der Uni ab, brachte und nach Jinshanling und wartete auf uns im 10 km entfernten Simatai. Die Mauer dort ist im Gegensatz zum Stück in Jiankou in nicht so steilem, dafür aber rauerem Gebirge gelegen. Dadurch erhielt sie ein ganz anderes, ebenso interessantes Flair. Über karge Berge windet sich das in der Ming-Dynastie erbaute Stück soweit das Auge reicht. Das Wetter war abwechslungsreich, von Schnee bis Sonnenschein war alles dabei. Schließlcih durfte die Canopeefahrt über das Simatai-Wasserreservoir nicht fehlen, ein gelungener Abschluss einer echt schönen Wanderung.
Von Jinshanling - Simatai

Fotos gibts - hier.

Donnerstag, 5. März 2009

Nanshan Ski

Das Bild zeigt Nanshan von unten bis (ganz) oben, die Spitze mit dem Haus

Wer kennt es nicht: Morgens um 8 Uni/Arbeit/Arbeitsamt/sonstiges; früh raus voller Motivation und was sehen die verschlafenen Augen? Aachen versinkt im Regen.
"Petrus, mit dir hab ich noch eine Rechnung offen!"
Pflege ich dann in meinen nicht vorhandenen Bart zu murmeln. Regenhose? Na, dass überlasse ich mal dem Mathe-Übungsleiter. Regenschirm? Verliert im Komfort-Geschwindigkeits-Trade-Off gegen das Fahrrad. Also nass werden... oder zuhause bleiben!
Das ich es im letzten Semester nahezu regelmäßig in die Vorlesungen geschafft habe, liegt wohl daran, dass einem das hier nur selten passieren kann. Selten? Nun ja, seit Anfang Oktober hat es hier nicht mehr geregnet, zumindest nicht dass ich es mitbekommen hätte. Und wenn es dann doch mal passiert, hat Petrus alles Recht sämtliche Vorwürfe von sich zu weisen. Denn hier gelten andere Regeln, die Behörden haben Petrus' ihm seinen Job einfach übernommen. Die Technik für Olympia wird nun auch zur Dürrebekämpfung eingesetzt.
Der Schnee, der mittlerweile auch schon wieder weg ist, hat uns daran erinnert, was man normalerweise für ein Wetter im Winter hat. Ich kann nicht verneinen, dass ich in dem Moment neidisch auf die Aachener Truppe war, die wie (mit mir) jedes Jahr zuvor im Januar eine Woche Skifahren war. Um die Sehnsucht nach übertriebener Geschwindigkeit mit unkontrolliertem Risiko ein bisschen zu stillen, sind Alice (der treue Leser erinnert sich) und ich am Sonntag zum Nanshan gefahren. Das Skigebiet ist zwar "überschaubar" und der Schnee künstlich, war aber dennoch die Reise wert. Der Berg ist nur eine Stunde von Peking entfernt und mit dem Bus leicht zu erreichen.

Gekonnt im koreanischen Schneepflug den Berg hinunter

Der Spiegelfototrend...Daniel hat ihn ausgelöst

Sonntag, 26. Oktober 2008

Mountaineer's Delight!


"Bu yong huo"(oder so ähnlich)! Unablässig wildes Gestikulieren mit einem Feuerzeug in der Hand; immer wieder die gleiche "IchwackeldemZeigefingerundschüttelmeinenKopfGestik". "No fire", übersetzt eine des Englischen mächtige Chinesin. Wie oft wurde uns das beim Betreten des Parks gesagt, denke ich vergnügt, während mein köstlich-süßer chinesischer Bratwurst-Verschnitt fröhlich über den züngelnden Flammen brutzelt. Unten drunter liegen 5 Süßkartoffeln in der Glut, bereit dampfend von uns verspeist zu werden. Der entspannten Lagerfeuerromantik, mitten auf dem Gipfel des Yunmengshan 1431 Meter über NN, konnten wir einfach nicht widerstehen. Es wird gequatsch, getrunken und gelacht. Schon irgendwie seltsam, wie kalt uns das Verbot der Parkwächter lässt. Denen sei an dieser Stelle gesagt: Wir haben gut aufgepasst, das Feuer klein zu halten und die Funken im Zaum ;) bitte Verzeihen.
Kalt ist das richtge Wort, denn ohne das, was zu erzeugen uns vom gemeinen Tier unterscheidet, hätten wir 8 fleißigen deutschen Wanderer die Nacht wohl kaum lebend überstanden. 20 Meter weiter, bewusst außer Verantwortlichkeitsreichweite, stehen unsere vier Zelte im nahezu laublosen Laubwald. Zweieinhalb Stunden steilen Aufstieg entlohnen wir uns mit Wurst, Fleisch, Hühnerfüßen, Süßkartoffeln und anderen pfeiffend garenden Köstlihckeiten. Wir, dass sind Christina, Sebastian, Heiko, Svenson und die hier altbekannten Flo, Stefan, Guido und ich. Schon Wahnsinn, was Pekings Umland so zu bieten hat, wenn man nur genau genug hinschaut. Wir sind die einzigen Menschen weit und breit und können bei Sonnenauf- und -untergang ein Panorama sondersgleichen genießen.

Wer sucht, der findet: Wahnsinnsausblick über das Gebirge nördlich von Peking

Der Gipfel im aufgehenden Sonnenlicht

Als wir morgens unsere schweißgebadeten T-Shirts gefroren von den Bäumen nehmen, wird klar, was uns eigentlich schon die ganze Zeit bewusst war: Das letzte Oktoberwochenende hat in Pekings Peripherie die ersten Minusgrade mitgebracht. Mit auf den Yunmengshan, Teil eines schroffen Sandsteinbergmassivs ca. 85 km nordwestlich von Peking. Ein paar von uns frieren nachts dank ihrer dünnen Schlafsäcke so stark, dass wir mit den ersten Sonnenstrahlen unser Lager verlassen und schleunigst den Abstieg beginnen.

Sonnenaufgang über der Seenlandschaft

Rast nach ca. der Hälfte von 2,5 Stunden Aufstieg

Geschafft! Zelte aufgebaut, es kann gegrillt werden!

Mit freundlichem Verweis auf Christinas Fotos

Dieser verläuft ähnlich dem Aufstieg am Vortag: Traumhaftes Panorama von Bergen bewachsen von einem Wald, der (laut Beijing Excursion Guide) über 100 verschiedene Baumsorten und unzählige Krähen sowie andere lautstarke Zeitgenossen in sich birgt. Nach Birken, Fichten, Weiden hören die, die ich erkennen konnte, jedoch schon auf :). Alles in Rot, Grün mit herrlichen Herbstönen. Abgerundet wird die Wanderung in diesem Hikers-Paradies, oder eben, dem Titel gleich Mountaineer's Delight (ebenfalls Excursion Guide :) ), durch scharenweise Chinesen, die uns beim Auf- und Abstieg entgegenkommen und somit Tag mit An- und Nacht mit Abwesenheit versüßen. Traum!

Flo (im Vordergrund) genießt mit mir den Sonnenuntergang

Dieses Foto liegt mir besonders am Herzen, da es erstens mal ausnahmsweise mit meiner Kamera entstand :) und zweitens zeigt, wie dieses sehr süße kleine Mädel gerade eine Kirsche aus ihrer Tüte sucht, um sie mir kurze Zeit später strahlend zu schenken. Ohne vorher ein Wort mit mir zu wechseln. Kurz darauf hat uns der Vater auch noch ein Taxi besorgt - Chinesische Gastfreundschaft, wie immer :).

Sonntag, 19. Oktober 2008

Schweigen und genießen.

Schweigen und genießen...

Mein Gefühl sagt mir, es ist etwa 7:00 morgens. Obwohl ich die Augen noch geschlossen habe, merke ich, dass es hell ist. Ich wechsle gerade von der Schlafphase zum morgendlichen Dösen. Etwas übermüdet versuche ich, es mir durch Umdrehen noch ein bisschen gemütlich zu machen. Schlaftrunken weiß ich nicht direkt, wo ich mich gerade befinde. Das der Boden recht hart ist, verwundert mich (angesichts der Uni-Betten) nicht wirklich. Als ich auf Widerstand, gebildet aus Zelt, Schlafsack und Mensch neben mir stoße, werde ich stutzig. Soso, ich bin doch nicht im Wohnheim... Für ein paar Minuten bin ich zu faul, weitere Nachforschungen anzustellen. Es geht weiter, als ich ein Rudel emsiger Chinesen wild diskutieren höre. Ich begreife just in dem Moment, als sie meinen Schlafplatz aus nächster Nähe untersuchen. Und dabei dann ganz plötzlich leise flüstern, nur um dann einen Meter weiter wieder ganz normal weiter zu quatschen.

Vielen Dank. Ich bin auf der Mauer. Auf DER Mauer. Das von Masse und Länge größte Bauwerk der Weltgeschichte. Und zwar nur zu viert, nicht zu acht, wie wir unsere Expedition gestartet sind. "Juuuungs, es gibt Kaffffeeeee!!!" Schallt eine weibliche Stimme vom Turm herunter. Ok, ich glaube, ich muss von Beginn an erzählen.

Die chinesische Mauer ist unumstritten ein Muss für jeden, der sich in China aufhält. Für Tony Hawk, David Copperfield und (in der Reihenfolge) auch für jeden normalen Voll-Touri mit Mercedes-Benz Kappe und Colaflasche in der Hand. Dementsprechend sehen die restaurierten Mauerstücke dann auch aus. Da hatten wir nun wirklich keine Lust drauf. Dennoch wollten wir unbedingt diese Erfahrung machen, "dieses so gigantische, so einzigartige und so dermaßen unwahrscheinliche Bauwerk" (Beijing Excursion Guide) selbst zu erleben. Was also tun? "...you can camp out in one of the towers..." - Das lassen wir uns nicht zweimal sagen! Schwups, ein unrestauriertes Stück rausgesucht und los gehts.

Flo, Stefan, Paul und ich brechen also am Freitag morgen auf und fahren mit U-Bahn-Public Bus-MiniBus nach Jiankou, 73 km nördlich von Beijing. Geplant war, dass Henning, Daniel, Guido und Johannes am Nachmittag in das von uns zu suchende Quartier nachkommen. Der Minibusfahrer verfährt sich, obwohl einheimisch, mindestens 5 mal. Das macht uns noch nicht stutzig. Im Ort angekommen, machen wir uns abmarschbereit und wandern los. Wir befinden uns zu dem Zeitpunkt am Fuße eines ziemlich gigantischen Berges, auf dessen Spitze wir das erste Stück Mauer erkennen können. Auch das macht uns noch nicht stutzig. Der Weg geht bestimmt zu einem niedrigeren Stück! So nach ca. 45 Minuten und einem Gefälleanstieg von 5% auf gefühlte 120%, werden wir so langsam nachdenklich. Der Weg wird doch nicht... der wird doch nicht... Er wird. Der Weg ging genau dahin, auf den höchsten Punkt weit und breit :). 3 Stunden später sind wir schließlich angekommen. Völlig erschöpft und ca. 700-800 Meter höher. Mit dem Schrei "Da ist das Ding!!!", frei nach Oliver Kahn, feiern wir das plötzliche Auftauchen der Mauer vor unseren Augen.

Der Ausblick abends
Vögel kreisen..mystic china at its best

Oben angekommen, treffen wir drei nette ukrainische Studenten, sonst niemanden. Wir kommen an dem Turm raus, von dem ich im Internet gelesen hatte. Er soll in angenehmer Entfernung von Mutianyu, dem Ziel unserer Reise, liegen und somit als Übernachtungsmöglichkeit optimal sein. Wir beziehen also Stellung. Die Ukrainer sind bald weg, so dass wir die Mauer ganz für uns alleine haben. Ein tolles Bild! Auch wenn der Sonnenuntergang dank schlechter Sicht dann nicht wirklich berauschend ist, werden Endorphine frei bei jedem Blick über die Brüstung unseres Schlafplatzes. Wir wollen die anderen gebührend emfangen und suchen schonmal Holz für ein anständiges Lagerfeuer. Das ist bald in ausreichender Menge aufgetrieben. Unterdessen finden sich weitere 4 Wanderer im Turm ein. Deutsche - lustiger Zufall. Auch aus Peking - schon besser. Pamina ist dabei - ein Mädel dass ich beim DAAD Ausflug kennengelernt hab - was kommt noch? Ja, das war noch nicht alles. Vera - eine Arbeitskollegin von meinem Bruder ist auch am Start. Dazu noch Garry aus Hongkong und Christian aus Hessen.

Man beachte den Verlauf der Mauer...Dies ist der atemberaubende Blick von dem Turm, in/an dem wir übernachtet haben

Nach ca. 1 Stunde fleißiger Versucherei kriegen wir schließlich ein Lagerfeuer an. Mittlerweile ist es dunkel. Ker, wat gemütlich! In alter Pfadfindermanier spielen die anderen 4 diverse Frage-Antwortspiele. Wir trinken ein paar Bier, grillen Maiswürstchen (wer braucht schon Käsegriller?), Trockenfleisch und Toast. Ein Traum! Die Stimmung ist ungetrübt. Ungetrübt? Was ist eigentlich mit den anderen? Ja, die andern. :) Lässt man die vier EINMAL alleine losziehen... Um 20:00 erreichen sie Jiankou - alles nach Plan. Um ca. 23:10 erreicht uns die SMS "Wir finden die Mauer nicht - pennen im Wald". Paul kriegt sich nicht mehr ein und pointiert die Situation: "Wir sind ja jetzt nicht irgendwo, wir sind auf der größten Mauer der Welt! Wie kann man die nicht finden?" Naja, die anderen haben wohl irgendwie ne andere Abzweigung genommen... Wirklich schade, denn wie sich herausstellt werden wir erst im Wohnheim wieder aufeinandertreffen. Ein paar Bierchen später begeben wir uns satt und zufrieden in unsere Zelte.
Rechts, links - Fehlanzeige! Da gehts runter, und zwar recht schnell :)

Ein paar Eindrücke

Morgens gibts dann Frühstück und tollen Kaffee von den anderen. An "unserem Turm" treffen wir witzigerweise morgens William Lindesay, von dem wir schon viel gelesen haben. Der Mann ist die gesamte Ming-Mauer abgelaufen und engagiert sich mit einer Stiftung für deren Erhaltung. Ein beeindruckender, unglaublich netter Mann! Die Sonne schenkt uns zwar keinen Aufgang, aber dafür großartiges Herbstwetter am Nachmittag. Die ganze Landschaft ist in prachtvolle Rot- und Grüntöne gekleidet. Wahnsinn! Fast auf dem ganzen Stück nach Mutianyu sind wir alleine.

Hier war die Mauer "etwas" ausgedünnt :)

Es geht rauf und runter, teilweise steil und sehr schmal. In Mutianyu geht dann wieder der normale "Reisen-in-China-Alltag" los, mit Fotografiert werden, kichernden Mädels und dicken Amis und Europäern, die nicht wirklich in die Szenerie reinpassen.

Mit der Gondel gehts dann runter, ab nach Peking. Mir tun die Finger vom Schreiben weh :). Auf bald.

Die Rucksäcke waren soo schwer, dass sie ein bisschen nach hinten gezogen haben :)

Diese Farben...
Diese Chinesen...

Sonntag, 12. Oktober 2008

Peking erkunden I

Im Rahmen unseres Austauschprogramms gab es an diesem Wochenende für alle Neuankömmlinge in China eine Willkommens-Veranstaltung des DAAD in Peking. Nach einem gemeinsamen Abendessen am Freitag, gab es gestern eine Vortragsreihe und eine Stadttour durch Peking.

Am Freitagabend waren wir mit einer kleinen Gruppe im CD Jazz Cafe. Bei einfacher Dekoration und indirekter Beleuchtung eine sehr gemütliche Atmosphäre. Drei mal pro Woche gibt es live Jazz von lokalen und internationalen Bands - Eintritt frei!


CD Jazz Cafe

Im Zuge der Stadtführung waren wir in den Hutongs im Süden Pekings unterwegs. Hutongs sind meist schmale Gassen, ursprünglich bebaut mit kleinen einstöckigen Innenhof-Häusern. Da auf dieser Fläche nur wenig Menschen Platz finden (man vergleiche mit den großen Wohnbunkern), verschwinden diese alten Wohnhäuser nach und nach und werden mit großen Wohnanlagen ersetzt. Erst seit kurzer Zeit gibt es Programme der Stadt zur Erhaltung und Restaurierung dieser Wohnviertel und -Häuser.


Hutong, Courtyard

Auf dem Weg in den Süden der Stadt konnten wir das neue CCTV Hauptgebäude bestaunen, was sich noch immer im Bau befindet - Mitten im Geschäftszentrum Pekings. Gegenüber des CCTV HQ steht das größte Gebäude Pekings. [mehr Bilder]


CCTV Headquarter

Wir waren außerdem noch im Beijing Traditional Opera Museum, eine gut restaurierte und schön dekorierte klassische chinesische Oper. Ein Operbesuch kostet zwischen 20 und 70 € und sei, laut unserer Führerin, mindestens einen Besuch wert (Englische Untertitel)! Erbaut wurde die HuGuang Guild Hall 1807 und wurde nach einer Renovierung zum Oper-Museum.

Bühne der Oper

Besuchertribüne

Zum Schluss waren wir beim Qianmen, das Stadttor im Süden der damaligen Innenstadt . Die historische Straße davor wurde durch willkürliche Umbauten in den letzten 50 Jahren völlig verunstaltet. Die Stadt reagierte darauf hin und versuchte alle Gebäudefassaden wieder so herzurichten, wie es in den 30er Jahren mal aussah. Da die Gebäude momentan leer stehen und die Renovierung noch nicht ganz abgeschlossen ist, sieht das ganze momentan aus wie Filmkulissen - künstlich. Wenn in ein paar Jahren wieder Einkaufsläden und Restaurants echtes Leben in die Straße treiben, ist diese Straße mit Sicherheit wieder sehenswert!

Tor zur Straße

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Tag der Deutschen Einheit in Peking

Gestern war Tag der Deutschen Einheit ... zumindest in Peking. Da der 3. Oktober hier mitten in den nationalen Ferien liegt, wurde hier der deutsche Feiertag gestern nachträglich und ausgiebig in der Deutschen Botschaft in Peking gefeiert.
Nachdem wir vor einigen Wochen das erste Mal zu Gast in der Botschaft waren [Link], wurde unsere Tsinghua Austauschtruppe aus Aachen im Laufe der letzten Woche erneut eingeladen. Wir genossen bereits beim Rock in der Residenz deutsche & chinesische Gesellschaft, gute Musik, köstliches Essen und leckeres Bier und so freuten wir uns auch gestern auf einige Kleinigkeiten.

Anlässlich des Feiertages waren auch die Herren Wulff und Schröder zu Gast, sowie eine Menge anderer Politiker & Vorstände, die man mit einem gesunden politischen Bildungsniveau bestimmt hätte erkennen können - zumindest hatten wir den Eindruck. Außerdem waren noch eine ganze Menge anderer deutscher Studenten und Expats zu Gast, sodass die Botschaft gut gefüllt war.


Die Gastgeber mit Wan Gang (chinesischer Wirtschaftsminister)
und Christian Wulff


Ich glaube wir wurden alle überrascht vom Ausmaß der gestrigen Veranstaltung. Wenn man einen Monat lang chinesisches Mensa-Essen hinter sich hat (und das ist wirklich gut!), freut man sich über ein Stückchen Heimat im Mund: Hax'n, Nürnberger, Sauerkraut, Hackbällchen, Kartoffelbrei... so ziemlich alles Gute, was die deutsche Küche zu bieten hat. Und nicht zu vergessen:

Special-Guest & verkannter Star des Abends: Herr Span. Ferkel

Dazu frisch gebrühten Espresso und traumhaft gezapftes Weißbier. Gesponsort von bekannten deutschen Automobilherstellern war der ganze Cateringservice der Wahnsinn. Das Personal wurde vorgestern aus Frankfurt eingeflogen und fliegt heute wieder zurück nach Deutschland - wir wurden fürstlich versorgt!

Nach der Ansprache gab es ein Garten der Botschaft ein wunderbares Abendprogramm: Die Berliner Oper und die Pekinger Philharmoniker spielten gemeinsam einige Stücke, der Rattenfänger von Hameln verängstigte schonmal ein chinesisches Kind und im Anschluss sorgte live Jazz für anhaltend gute Stimmung.


Berliner Oper & Pekinger Philharmoniker
Nach der Botschaft verstreuten wir unsere gute Laune in der Stadt. Jörn und mich hat es zusammen mit Jörns Bruder Henning und BENNI (auch Du seist an dieser Stelle endlich erwähnt!) ins Irish Pub nahe der Botschaft verschlagen.

Sonntag, 21. September 2008

Deutsche Botschaft & Houhai

Freitag Abend wurde unsere gesamte Truppe vom deutschen Botschafter in China, Herrn Schäfer, zu einem Rockkonzert in die deutsche Botschaft eingeladen. Gespielt haben z.B. eine Band der Schule der deutschen Botschaft; insgesamt spielten drei Bands. Es waren etwa 250 Gäste im Garten des Botschafters. Darunter unsere "kleine" Truppe, andere Stipendiaten des DAAD, chinesische Studenten und viele Expats (Expatriaten, ohne Einbürgerung in einem anderen als dem Heimatland arbeitende Menschen).
Auch den Gastgeber Dr. Michael Schäfer und seine Frau konnten wir persönlich kennen lernen (deutscher Botschafter in China seit August 2007).

Don Michael

Die Botschaft, deutsch-chinesische Kunst zu Olympia

Es gab leckere deutsche Kleinigkeiten: Würstchen & Senf, Pizzastücke, Wein und Bier. Ursprünglich deutsches Bier, 1903 von deutschen Einsiedlern gegründet und heute eines der bekanntesten Biere Chinas: Tsingtau, mit der größten Brauerei Chinas im östlich gelegenen Qingdao:

lecker!

Aber Herr Botschafter: Das Bier ging aus! Das war wohl entweder eine Fehlkalkulation (Aachener Studenten bevorzugen das zu glauben!) oder präzise Planung, um den Abend pünktlich um 22:30 Uhr zu beenden :) Jedenfalls ein gelungener Abend.

Nach der "Homeparty" ging es weiter in die Stadt. Für die einen in den Mix oder Vics Club, für andere und mich in den nahegelegenen Stadtteile Hohuai. Am Ufer eine kleinen Sees gelegen, gibt es jede Menge Kneipen und Karaoke Bars - sehr stimmungsvoll!


Kneipen am See, Houhai