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Dienstag, 26. Januar 2010

Der ganz normale Wahnsinn

Vor einigen Monaten hatte ich an dieser Stelle zu einigen lustigen Aktivitäten des neuen, uns nachfolgenden Jahrganges aufgefordert. Wie man der halbjährigen Ferien-Benachrichtigung des Foreign Student Office der Tsinghua entnehmen kann, scheinen diese Aufforderungen auf allzu fruchtbaren Boden getroffen zu sein. Hier ein paar Auszüge:

  • In January 2010, a student of our university use an electric heating equipment which is forbidden in the dormitory. A piece of clothes caught fire because of the heating and triggered the smoke detector in the room for a fire alarm. The fire was suppressed by the servants alerted soon.

  • In January 2010, a drunken student of our university hit a taxi driver and was taken for investigation. A compensation of 1500 RMB yuan is imposed for his misbehaviour

  • In September 2009, the police clamped down a religious activity illegally carried out by a foreign society and exported the responsible organizer. Some students of our university were involved and recorded. FSAO reprimand them seriously, reaffirmed the related laws to them and this case was put into their record.

  • In November 2009, a foreign student of our university hit a pedestrian with an electrical bicyles and badly injured the person in the arm. The compensation for the medical treatment has rised to tens of thousands yuan. The injured is still waiting for the following surgery operations.

Dienstag, 12. Januar 2010

Studieren in China

Da hier in letzter Zeit so wenig veröffentlicht wurde, hier mal etwas für die ganz fleißigen Leser: Ein Artikel über das Jahr in China für das Jahrbuch meines Gymnasiums, mit Fokus auf das Schul- und Studentenleben vor Ort.

Studium im Reich der Mitte - Ein Jahr an der Tsinghua University in Peking
Jörn H. (KvG Abi 2004) und Imke R. (KvG Abi 2010)

Knapp 10 Mio. chinesische Studenten versuchen jährlich, einen Platz an der Tsinghua University in Peking zu bekommen. Dabei gibt es bis zu 10.000 Bewerber auf einen Studienplatz. Keine Frage, hier studiert die akademische Elite Chinas. Sie ist der Traum, für den chinesische Schüler ihre Jugend hergeben - und sie ist die Kaderschmiede der kommunistischen Partei. Gegründet von den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts, um chinesische Studenten auf das Studium in den Vereinigten Staaten vorzubereiten, trifft man hier heute auf Studenten aus den USA, die sich durch ein Studium in China bessere Berufschancen ausrechnen - und auf die chinesischen Studenten von früher, die sich nach Aufenthalten in Stanford, Harvard, o.ä. als heimgekehrte und hochbezahlte Professoren verdingen. Die Fakultät für Maschinenbau der RWTH Aachen bietet ihren Studenten an, für zwei Semester an der Tsinghua im Rahmen eines Doppeldiplom-Programmes zu studieren. Für Jörn H. bedeutete die Teilnahme an diesem Programm deutsch-chinesischen Austausches das bei weitem einprägsamste Jahr seines Studiums. Angeleitet von Fragen der Schülerin Imke R. erzählt ihr ehemaliger KSJ-Leiter über nächtliches Lernen bei McDonalds, den Erlkönig, 9 Millionen Fahrräder, das „Number 1 King Country of Engineering“ und die chinesische Version des Passierscheines A38. Und warum man in China eigentlich gar keine Hunde isst.

Aachen, Dezember 2007. Mein Schreibtisch liegt voll mit Zeugnissen, Gutachten von Professoren, Bluttests und einem großen Röntgenbild meines Oberköpers: meine Unterlagen für die Bewerbung für das Austauschprogramm der RWTH mit der Tsinghua in Peking sind, nach nun bereits 4 Monaten Vorbereitung, endlich vollständig. Schnell war mir bei der Vorbereitung klar geworden: im Gegenzug für eine Vielfalt an Möglichkeiten für Studienort und finanzielle Unterstützung muss man an einer „Massen-Uni“ wie in Aachen bei der Organisation eines Auslandsaufenthaltes eine gehörige Portion Organisationstalent und Eigeninitiative mitbringen. Die Frage, warum ich nach China möchte, habe ich in der Zeit zwar mehrere Dutzend Male gehört und beantwortet. „Großes Interesse an aktuellen Entwicklungen sowie Kultur, Sprache und Geschichte; die Chance zur beruflichen Orientierung und ein fachlich hochinteressantes Programm“ waren die Gründe die ich dabei meistens genannt habe. Ich glaube aber, dass, obwohl ich damals auch von selbigen überzeugt war, im Nachhinein eine „extreme, reflektierte Neugier“ auf ein Leben in China ausschlaggebend war.

Von Die ersten Tage an der Tsinghua

Blick von unserem Wohnheim auf den nördlichen Teil des Campus der Tsinghua University in Peking

Peking, September 2008. Die 60-minütige Fahrt vom Flughafen auf vielspurigen Straßen durch ein Meer aus Hochhäusern und Beton vermittelte einen ersten Eindruck der Stadt. Relativ schnell hatte sich sämtliche Morgenlandromantik verflüchtigt: China ist auf dem Weg zur Industrienation - dabei wird wenig Rücksicht auf alte Bausubstanz genommen. Auch die meisten der 9 Millionen Fahrräder und die kleinen Gässchen, die von Katie Melua noch nett besungen wurden, schienen verschwunden; sie haben breiten Highways, unzähligen gelben Taxis und Luxuslimousinen Platz gemacht. Nachdem wir die uniformierten Wachen am Tor der Uni passiert haben, eröffnet sich das, was mir für immer als seltsam schöne Oase im „menschlichen Wespennest“ Peking in Erinnerung bleiben wird: auf einer Fläche von ca. 4 km² (ca. die des Zentrums meiner Studienstadt Aachen) erstreckt sich ein imposanter Campus, der 50.000 Menschen beherbergt und dessen Infrastruktur dafür sorgt, dass er von diesen auch nur sehr selten verlassen werden muss. Die (überdimensionierten) staatlichen Investitionen haben hier eine Lernumgebung geschaffen die, nicht zuletzt dank ihren Olympia-geprüften Sportstätten, seinesgleichen sucht: es gibt alles, was ein Student benötigt, vom Schuhmacher über ca. 40 Mensen bis hin zum Computer-Lab: eigentlich dass, was wir uns als geplagte Aachener Studenten immer erträumt hatten, nachdem unsere Vorstellungen vom Studium (geprägt von amerikanischen Klischee-Uni-Filmen) schon am ersten Tag an der RWTH entzaubert worden waren. Dort erfuhr ich schließlich auch, wo die ganzen Drahtesel gelandet waren, als ich eines Morgens auf dem Weg zur Vorlesung 5 Minuten auf einer normal breiten Straße im Fahrradstau (mit sicher über tausend Leidensgenossen) stand – da kamen Heimaterinnerungen an Münster auf.

„Ich arbeite nebenbei 4 Tage die Woche für VW in Peking, um nach der Uni bessere Chancen zu haben, in der Nähe meiner Heimat Shanghai einen Job zu finden. Aber bitte sag Prof. Zhang nichts davon, er hat mir nur 3 Tage erlaubt“ (Cui Fei, 22, Masterstudentin)

Mit der chinesischen Kultur und der Sprache kam ich überraschend schnell klar. Zwar hatte ich in Deutschland an der Uni einen Kurs in Mandarin belegt, doch als ich ankam, war außer „Hallo“ und „Danke“ nicht viel übrig geblieben. In einer Privatschule in der Nähe der Uni konzentrierte ich mich mit einem anderen deutschen Studenten rein auf die Sprache und vernachlässigte die Schrift – die brauchte ich in der Uni zum Glück nicht, da die Inhalte dort auf Englisch gelehrt wurden. Auch der Umgang mit Studenten und Professoren war erstaunlich leicht. Das Verhältnis war ungemein herzlich und kollegial: einen Professor kann man auch Samstagnacht noch anrufen und befragen – im Gegenzug erwartet er aber auch, dass man manchmal um 7 Uhr bei ihm im Büro steht. Der Vorlesungsstoff war ähnlich dem in Aachen, die Klausuren aber leichter – dafür musste mehr unter dem Semester getan werden. Insgesamt eine Arbeitsatmosphäre, die mir sehr gefiel.

Von Fussball an der Tsinghua
Der Sport verbindet: Im Kreise der Fussballmannschaft des Department of Automotive Engineering.

Jedoch merken wir schnell, dass 1.) Privatsphäre in einem kommunistisch geprägten Land einen anderen Stellenwert besitzt 2.) hier ein anderer Wind weht als in Aachen, und 3.) wir Ausländer einen Sonderstatus bekommen, der uns das komplette Jahr begleitete. Während wir in Einzelzimmern mit Fernseher wohnten, schliefen die chinesischen Studenten nebenan im Vierer-Zimmer ohne eigenes Bad, in dem um 9 Uhr das warme Wasser und um 23 Uhr der Strom abgedreht wird; während wir maximal 6 Vorlesungen im Semester besuchen mussten, waren es bei den Chinesen bis zu 12. Das sorgte dafür, dass sie sich noch abends, nach einem Tag in der Bibliothek, ihre Bücher unter den Arm nahmen und sich bei McDonalds ins matte Neonlicht setzten um weiter bis in die frühen Morgenstunden zu lernen. Auch von einem freien Internetzugang wagte man hier nicht zu träumen. Doch soll der chinesische Student dagegen protestieren, wo er doch seit seiner Einschulung im Durchschnitt 10 Stunden am Tag gelernt hat um es hierhin zu schaffen? Seine Verwandtschaft hat für die Studiengebühren wahrscheinlich sparen und zusammenlegen müssen. Obwohl sie schon zu den Auserwählten aus einem Milliardenvolk gehören, spürt man den enormen Leistungsdruck. Ernst gemeinte Interessen und Hobbies findet man eher selten. „Ich arbeite nebenbei 4 Tage die Woche für VW in Peking, um nach der Uni bessere Chancen zu haben, in der Nähe meiner Heimat Shanghai einen Job zu finden. Aber bitte sag Prof. Zhang nichts davon, er hat mir nur 3 Tage erlaubt“, gesteht mir meine Forschungsgruppen-Kollegin Weiwei (22). Die Studenten nehmen an jeder noch so sinnfreien Freiwilligen-Arbeit-Aktion teil und machen wie Weiwei freiwillige, unbezahlte Praktika während des Semesters, um sich weiter für die Jobsuche zu profilieren.

„Die Eltern haben mir in den Jahren der Oberstufe sogar das Essen und die mit Zahnpasta bestrichene Zahnbürste an den Schreibtisch gebracht, damit keine Lernzeit vergeudet wird“ (Gao Fan, 23)

Die Gründe für die Probleme, die selbst Absolventen der Top-Unis in China erwarten, sind vielfältig. Noch immer basiert der Großteil der chinesischen Wirtschaft auf arbeits- statt bildungsintensiver Jobs. Dazu kommt, dass es in China nach wie vor wichtiger ist wen man/der Vater kennt, als was man persönlich im Leben geleistet hat. Der massive Wirtschaftsaufschwung hat in den letzten Jahrzehnten zwar viel Geld ins Land gebracht, doch, so ist zumindest meine Erfahrung im Ingenieursbereich, brauchen die Investitionen in das Bildungssystem noch mindestens eine Generation, um (zumindest punktuell) eine Ausbildung nach unserem Standard zu gewährleisten. All dies mündet in einer Situation, in der die Studenten ungeheuer fleißig sein müssen, um Erfolg zu haben. Da nun aber in China seit den achtziger Jahren die „Ein-Kind-Politik“ herrscht, d.h. dass nur unter enormen Strafzahlungen ein weiteres Kind erlaubt wird, und zugleich kein „Generationenvertrag“, d.h. kein vernünftiges System für die Altersversorgung, existiert, üben die Eltern einen wahnsinnigen Druck auf die Kinder aus. Denn schließlich sind diese später dafür zuständig, die Eltern und Großeltern zu versorgen. Mir haben Kommilitonen berichtet, dass Ihnen die Eltern in den Jahren der Oberstufe sogar das Essen und die mit Zahnpasta bestrichene Zahnbürste an den Schreibtisch brachten, damit keine Lernzeit vergeudet wird. Das ganze erlebt seinen Höhepunkt in der Gaokao, der zentralen Prüfung der Hochschulreife, die jährlich im Juli stattfindet und an der 2009 ca. 10 Mio. Studenten teilgenommen haben. Die erreichte Punktzahl entscheidet über die Uni, die besucht werden darf. Wenn eine der guten Unis rausspringt (die Tsinghua ist neben der Beijing University die mit der höchsten „Einstiegspunktzahl“), ist es den Studenten mehr oder weniger egal, wie der Studiengang heißt. So hatte ich nicht wenige Kommilitonen im Masterstudiengang „Automotive Engineering“, die kein Auto fahren durften, geschweige denn jemals eines von innen gesehen hatten.

Während ich dies schreibe, liegt neben mir ein Artikel einer chinesischen Zeitung, in der über die erschreckende Anzahl von Selbstmorden im Alter der Grund- und Mittelschule berichtet wird. Anlass ist der Tod eines 11-jährigen, der sich erhängte, aus Angst vor Konsequenzen für sein Schwänzen von zwei Tagen Schule. Auch an der Tsinghua stürtzte sich während unserer Anwesenheit eine Studentin von einem Lehrgebäude. Die Tragödie blieb jedoch im Unterricht erschreckenderweise unerwähnt und ging dadurch mehr oder weniger unter. Eine solche Jugend bzw. Art und Weise des Lernens ist uns (zum Glück) völlig fremd. Die Schulzeit wird von vielen als „entspannteste Zeit des Lebens“ gerühmt, und nicht wenigen gelingt es durch bewusste Studienplatzwahl eine fachliche und soziale Umgebung zu finden, in der man aufgehen und sich entfalten kann, ohne dabei Existenzängste zu empfinden, wenn etwas mal nicht läuft. Die Rahmenbedingungen dafür sind, neben den wirtschaftlichen Leistungen der Generationen vor uns, unser üppiges Sozial- und ein gutes Bildungssystem, das auf selbstständige Problemlösung, unbeschränktes Denken und selbstständige Gestaltung der Freizeit ausgerichtet ist. Der chinesische Ansatz ist (seit Jahrhunderten) dagegen autoritär und legt großen Wert auf repetitives Lernen, d.h. das Auswendiglernen von wenig hinterfragten Inhalten. In dem Land, dass Kalligraphie (die Entwicklung eines ausdrucksstarken Schreibstils) als höchste Kunst- und Bildungsform ansieht, findet man nicht nur in der Staatsräson, sondern auch in vielen Alltagssituationen eine völlig andere Weltanschauung bezüglich der Wertschätzung von neuen, kreativen Gedanken – eine Tatsache, die mit den Bildungstraditionen eng verknüpft und darin verwurzelt ist. Das Ergebnis muss man sicherlich differenziert betrachten: während jeder chinesische Kommilitone im Aufsagen von Daten, Liedern, Gedichten in mir völlig unvorstellbare Dimensionen vordringt (sogar Goethes Erlkönig ist mir (ohne Deutschkenntnisse!) aufgesagt worden), ist bei neu formulierten Problemen relativ schnell Schluss. So bekam ich nach einer Klausur im Fach Verbrennungsmotoren eine SMS mit den Worten „Now I know, why Germany is the number 1 king country of engineering“ – alle deutschen Studenten hatten den Saal nach ca. 3/4 der Zeit verlassen, während kein einziger chinesischer Student überhaupt fertig wurde.
“Now I know, why Germany is the Number 1 King Country of Engineering” (Weiwei, 23, nach einer Klausur per SMS)
Die Eindrücke aus dem Alltag an der Uni waren sehr interessant und gaben mir diverse Anreize, über diese Gesellschaft, die sich derzeit im totalen (wirtschaftlichen wie sozialen) Umbruch befindet, nachzudenken. Da die Uni uns großzügige Ferien gab (für Studenten der RWTH ein völlig neues Gefühl), hatten wir auch die einzigartige Gelegenheit, China auch abseits der Großstädte und Touristenattraktionen kennenzulernen. In einer Gruppe mit 3 Kommilitonen haben wir in dem gigantisch großen und vielfältigen Land ca. 24.000 km mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt und dabei gerade in den ärmeren Regionen, trotz allen Elends, in Zentralchina eine Herzlichkeit erfahren, die mir in dieser Form vorher unbekannt war.

Dazu kommt, so homogen China kulturell ist, eine unglaublich vielfältige Natur: der Himalaya, die Wüste Gobi, die mongolischen Graslandschaften im Norden und der tropische Süden. Dazwischen kanadisch anmutende Regionen in Sichuan und der klimatisch fast europäische anmutende Osten. Große Teile dieser Regionen sind schon seit tausenden von Jahren chinesisch, was sich an manchen Stellen noch hautnah spüren lässt: der Taikonaut Yang Liwei, erster Chinese im All, musste zwar letztes Jahr zugeben, dass man die chinesische Mauer nicht von „da oben“ sehen kann. Sie ist dennoch ein absolut einzigartiges Bauwerk und in manchen Gegenden noch touristisch unerschlossen und zugleich gut erhalten. Da Zelten dort erlaubt ist, haben wir diverse Nächte am Lagerfeuer auf Türmen in atemberaubender Landschaft verbringen dürfen - ohne Zweifel das Highlight aller Reisen.

Peking, Juli 2009. Wehmütig sitze ich mit ein paar Kommilitonen bei einem Spieß gegrillte Käfer und einer Flasche Tsingtao zusammen. Wie alle aufregenden Dinge ging das Jahr schneller rum als erwartet. Die letzten Monate vor Ort habe ich hauptsächlich im Labor mit meiner Forschungsarbeit verbracht, und in diversen Ämtern und Einrichtungen der Uni, um mir rote Stempel auf irgendwelche Dokumente geben zu lassen. Nicht selten fühlte ich mich wie Asterix, der im Haus der Verrückten bei der Suche nach dem Passierschein A38 verzweifelte – ich werde mich nie wieder über Bürokratie in Deutschland beschweren. So blieb am Ende viel zu wenig Zeit um all das zu tun, was man sich noch vorgenommen hatte. Hier noch hinfahren, das noch kaufen, ein letztes Mal dort essen gehen. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich vieles davon nicht mehr geschafft. U.a. wollte ich eigentlich immer schon mal Hund probieren – das ist in China aber gar nicht so leicht, wie man denken mag. Gerichte dieser Art findet man „lediglich“ in der Region um Hongkong. In jedem Fall genug Grund, um wiederzukommen - was ich im März 2010 für ein Praktikum tun werde.

Von Jinshanling - Simatai

Die chinesische Mauer in der Provinz Hebei.

Das Zepter des KvG an der Tsinghua konnte ich mitsamt meines Hausrates an David Hemkemeyer (KvG Abitur 2005) übergeben, der in diesem Jahr dort zum Studium gastiert. Eine Entscheidung, zu der ich ihm riet und, generell auf ein Auslandssemester bezogen, jedem raten möchte. Der organisatorische (und unter Umständen finanzielle) Mehraufwand wird mit dem Erlebten sicher um ein Vielfaches aufgewogen.

Sonntag, 8. November 2009

Homage an den RWTH/Tsinghua Jahrgang '08/'09

Sonntag: Was tun?

Tsinghua, Gebäude #21, Erdgeschoss irgendwann zwischen Montag und Sonntag, 00:00 - 24:00 Uhr. Irgendein Deutscher schiebt verzweifelt zerknitterte 5 RMB Scheine, die er gerade noch in der Hosentasche vom letzten Abend gefunden hat, in den grauen gelangweilt drein blickenden Geldschlitz der Getränkemaschine - wohl behütet von den paar Fuwuyuans, die gerade Schichtdienst an der Rezeption haben. Zwei mal drücken, zwei mal ein dumpfes Aufprallen und es ist geschehen: Schon wieder wurden aus der Maschine zwei Dosen gekühltes Yanjing Bier entwendet, um wahrscheinlich in den nächsten 0,5 - 60 Minuten von einem namenlosen Deutschen verzehrt zu werden.

Vorstellbares Szenario: Aus dem zerknitterten 5 RMB Schein werden 30 RMB und irgendein Deutscher verbringt mehrere Minuten vor der liebevoll "Pijiuji" getauften Maschine (Beer-machine), um die durstige Truppe der RWTH-Aachen/Tsinghua University Austauschstudenten vor dem Gebäude mit frischen Getränken zu versorgen. In 50% aller Fälle begibt sich eben genau diese Truppe innerhalb der nächsten 30 Minuten zu den Pforten des "dongbeimener" (North East Gate) um einen Platz im Taxi zu ergattern. Ziel: Sanlitun.

Sanlitun, eine vereinzelte, von Renovierungsmaßnahmen in der unmittelbaren Umgebung verschonte Barmeile im Herzen des Chaoyang Districts, an dem sich an scheinbar jedem Wochentag eine internationale Vielfalt von Gästen und Gestalten trifft, um die umliegenden mehr oder minder guten Bars, Kneipen, Restaurants, Clubs, Cafes, DVD-Läden... zu besuchen. Über die Qualität dieser Läden darf man streiten. Von Clubs mit luxeriösem und teurem Interieur bis hin zu ranzigen Hintergassenbuden, an denen ein gepanschtes Glas Gin-Tonic für 10 RMB zu haben ist, ist alles zu haben. Wenn es dort nicht gefällt, befindet sich die restliche Nachtszene Beijings in unmittelbarer Taxi-10-Minuten Umgebung.

Der Stadtregierung ist dieser Ort des teils unanständigem und ungezügeltem Vergnügens, mit billigem Bier, rumpöbelden Besuchern und verschmutzen Straßen ein Dorn im Auge, wurde die unmittelbare Umgebung doch kürzlich vollständig renoviert, mit Einkaufszentren, teuren Marken-Läden und der ein oder anderen Starbucks Zentrale. Würden dort nicht täglich 1000 Menschen verschiedener Herkunft ein und auskehren und eine sicherlich beachtliche Stange Geld lassen, hätte diese Straße schon für Schneider, Kinos und Nobel-Restaurants weichen müssen - die das moderne und wohlhabene Pekinger Stadtbild erzeugen sollen, von dem man hier träumt.

Unbestritten ist die Tatsache, dass unser Jahrgang, genau wie der vorherige und der jetzige (ich habe verlässliche Informationen), nicht nur einmal wöchentlich mit dem Taxi von der Pijiuji am Gebäude #21 bis nach Sanlitun gefahren ist, um dort einen ausgelassenen Abend in der Umgebung zu verbringen. Genauso wichtig wie die gekühlte Dose Bier in der Hand während der Taxifahrt, dürfte auch der ein oder andere wohlverdiente Fleisch-Spieß sein, den so ziemlich jeder regelmaßig nach AnkDer unft in Sanlitun verdrückt hat. Aus einem deutschen Stamm-Kiosk wurde schnell die "Spießchenfrau", die uns irgendwann verlässlich mit lächelndem Gesicht und Handschlag begrüßt hat. Nach getaner Arbeit durfte der weitere Abend dann eingelteitet werden - wohin es auch immer gehen sollte. Wer später noch Sehnsucht hatte, den konnte man auch drei Stunden später beim Übergang in die nächste Lokalität wieder bei der Spießefrau begrüßen.

Wie üblich ereignete es sich auch letzten Freitag im Telefonat mit Flo, der bei der Betreuung deutscher Gäste irgendwo verloren gegangen war:

Wo bist Du?

Sanlitun

WO?

SANLITUN!

Wo genau?

SHOOTERS!

Komm mal raus.

[...]

Wo treffen?

SPIEßEFRAU!


Kaum wurde aus Studium Arbeit und aus dem Wohnheim auf dem Campus eine Yuppiebude im Osten der Stadt, verlaufen wir uns nicht mehr so oft nach Wudaokou. Da gibts schießlich nic... nicht so viel, wie in Chaoyang zu sehen. Schöne (und weniger schöne) Erinnerungen brachten die Idee, diesen Spießelauf von Wudaokou nach Sanlitun doch mal zu wiederholen. Ist die Zeit unter der Woche immer etwas knapp, schien der heutige Sonntag perfekt geeignet und Florian, Alice und ich machten uns auf den Weg, die altbekannte Route mal auf eine andere Art und Weise zu bestreiten.



Die Teilnehmerquote ließ leider zu wünschen übrig, dabei hatten wir doch rasende Reporter und jubelnde Fans auf dem Rad dabei (danke an Flo und Alice!). Ich hoffe, beim nächsten Event auf etwas mehr geteilte Begeisterung zu stoßen. Diese Art der Fortbeweung hat noch einen ganz anderen Vorteil: Man sieht mal wieder richtig was von Peking! Besonders die West-ost Strecke, vom Zoo bis zum Workersstadium ist wunderschön und belebt.

Das Vorhaben sollte sich nicht so einfach gestalten, wie angenommen. Bei Ankunft um 4 Uhr heute Nachmittag der erste Schock:

Die roten Kreuze markieren den Schatz

Nicht nur wurde die dritte Reihe Yanjing Bier aus dem Automaten entfernt, die restlichen Vorräte waren aufgebraucht (Danke an den Jahrgang '09/'10). Aber wir sind ja in China. Ein kurzer Anruf der Fuwuyuans ans benachbarte Gebäude #22 brachte die Lösung. Dort war der Automat noch voll bestückt. Um XX ging es dann los auf die zweistündige Reise in den Osten.

der erste RWTH-Aachen/Tsinghua-Univestiy Yanjing Pijiuji Sanlitun Yangrou Chuaner 1/2 Marathon kann beginnen

Die Teilnehmerzahl ließ zu wünschen übrig

Gut gelaunt in Sanlitun angekommen, ereilte uns der nächste Schock: Es war noch zu früh - kein Spießeverkäufer weit und breit. Auch die Frau unseres Vertrauens hat sich eine gehörige Portion Enttäuschung verdient. Enttäuscht kehrten wir in Lugas Villa ein, um die Reise mit einem wohlverdienten Glas Yanjing Zhapi zu feiern. Den Spieß sollte es leider erst wieder unserer Rückkehr nach Hause geben. Danke an Flo, den ich bei Ankunft Zuhause mit köstlich dampfenden Lamm-Fleisch-Spießen vom Xinjiang Grill unseres Vertrauens im Wohnzimmer antraf.


Genug Zeit hatte ich ja, um über die verschiedenen abendlichen Ausflüge nach Sanlitun nachzudenken und mich an viele kleine Geschichten zu erinnern, die sich im letzten Jahr so angehäuft hatten. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass diese Reisen immer nur genauso witzig war, wie die Leute mit denen man sich auf den Weg gemacht hat - und die waren einfach super. Vielen Dank an eine klasse Austauschjahr mit vielen guten und verdammt witzigen Erfahrungen und Erlebnissen, nicht nur in und um Sanlitun. Dank für die ausdauernste Partycrew geht an dieser Stelle ganz klar an die Automitives - Jia you in Deutschland.

Traum!

Auch für uns ist die Reise bald vorbei, am 18.12. geht es wieder zurück nach Deutschland...

Freitag, 11. September 2009

Home sweet home...

Hm... eine weiche Matratze. Obwohl ich mich dagegen in den 10 Monaten Zijing-21 (unser Wohnheim) strikt gegen den Kauf einer Luxus-Matte gewehrt hatte, muss ich nun zugeben: Es hat doch etwas angenehmes.

Zuhause angekommen! Meine letzten Cheng-Long-Vorräte (s.u.) wurden mir am Pekinger Flughafen abgenommen, was große Empörung meinerseits und nach meiner Drohung, es dem Gong-Fu-Künstler persönlich zu sagen, große Erheiterung seitens des Personals auslöste. Aber einen Schnitt musste ich ja schon machen, dachte ich mir. Also heißt es ab jetzt wieder: Deutsches Leben, deutsches Shampoo.

Bequeme 10 Stunden später öffnete ich die Tür zu meinem vertrauten Heim. Und wer jetzt denkt ich sage, "ach in Deutschland ist doch alles beim alten geblieben", der täuscht. Denn wir haben sowohl eine neue Sofagarnitur, als auch ein neues Messer, um am Tisch den Käse zu schneiden! Bevor ich hier des falschen Zynismus beschuldigt werde (zurecht!), muss ich zugeben, bis auf das Interieur auch noch nicht viel gesehen zu haben. Das Haus habe ich nämlich (nach knapp 24 Stunden) noch immer nicht verlassen. Zu wohlig war's heute Nacht im weichen Bett (ergo 11 Stunden Tiefschlaf), und zu viel gab es zu besprechen.

Unter anderem mit meinem Schulkollegen David Hemkemeyer, der mich besuchte um sich "letzte heiße Tipps" zu besorgen, bevor es heute abend ebenfalls Richtung Tsinghua geht. Und natürlich auch sonst, um sich ein bisschen auszutauschen. An dieser Stelle viel Glück, viel Spaß und genieß(t) die Zeit!

Und damit es auch noch etwas zu tun gibt, hier eine kleine To-Do Liste für David und all seine zukünftigen, was es alles in dem Jahr zu tun gilt, um unserem Jahrgang würdige Erben zu sein:

1) Es fing gut an: Bei der Institutsvorstellung die Propaganda-Betankung nochmal durch den Kopf gehen lassen (Täter möchte Anonym bleiben). Dieses Jahr sind die Automotives dran!
2) Zum Taxifahrer Tsinghua Daxue sagen und zu anderen Unis gefahren werden (beliebter Spaß: ich allein kann die Qing-Mao Daxue und eine seltsame BWL Uni, die aber zweimal, zu meinen Treffern zählen)
3) Prof Ma (VK1) diverse Bären aufbinden; z.B. sich mit einem "I wish you have good luck with your meeting next week!" für eine Woche nach Japan verabschieden lassen
4) Auch dieses Jahr wieder durch geschicktes Rumdrucksen Dr Wang Zhi's Pläne durchkreuzen und das Research Proposal auf das zweite Semester verschieben
5) Prof Shuai neue Playboy Schuhe kaufen
6) Einen neuen Spitzennamen für Prof Wang (Automotive Engineering 1) erfinden (Den "Märchenonkel" und "Die Fliege" gibts schon! :) )
7) 2 Baozi bestellen und 8 kriegen (und sich zurecht wundern)
8) Schon in der ersten Woche beim Koreaner bestellen (diverse Missverständnisse, u.a. extrem lustige, sind vorprogrammiert)
9) Sollten zu Zeiten des Jubiläums der Nation wieder die Damen unten notieren, wer rein und rausgeht, dann: Durch wiederholtes zur Tür und dann wieder zurück zum Aufzug ("oh ich hab was vergessen!") für Heiterkeit sorgen
10) Dem Bierautomaten eine dritte Reihe Yanjing verschaffen

... diese Liste ist noch nicht vollständig! Ich bitte über die Kommentarfunktion meine Mitstreiter um weitere Vorschläge!

Ach ja, und wie gehts weiter? Ich habe den Vertrag für das Praktikum in Japan in meiner Hand und werde damit morgen nach Aachen, um ihn vom Dekanat unterschreiben zu lassen. Wenns klappt, heißt es schon bald (in 3 Wochen): Bie le Deguo, Nihhon Konichiwa! Oder so ähnlich. Ich werde berichten.

Dienstag, 14. Juli 2009

Verweis - Wovon haben wir uns ernaehrt?

Hier mal ein kleine Einblick in unserer ausserst gesunde Ernaehrung im letzten Jahr (dank Flo):

Link.

Die letzten Tage in Beijing

Die letzte Woche in Beijing hatte ich, dank ein bisschen Vorarbeit, mehr oder weniger frei. Den fruehen Morgen verbrachte ich bei Chinesisch, die folgenden Stunden mit diversen organisatorischen Kleinigkeiten und auch ein paar Bierchen am Abend. Unzaehlige Formulare waren auszufuellen, die Koffer zu packen, die Reise zu planen und es galt, allen Lebewohl zu sagen. Eine nette Abwechslung war der Besuch eines Journalisten, der u.a. ueber deutsche Studenten in China zu schreiben plant und sich daher ein paar Tage mit uns und unserem Alltag an der Tsinghua auseinandersetzte.

Von Temple of Heaven - Tian tan
Darf ich bitten?

Da Alice und ich beide noch nicht im Himmelstempel aka Tiantan aka Temple of Heaven waren, haben wir die Anlage im Sueden Pekings am Dienstag vor Alices Abreise besucht. Der einzige runde Tempel Chinas ist eingebettet in eine grosse nette Parkanlage, in der sich am kuehlen Morgen die Senioren Pekings tummeln. Hier wird getanzt, gespielt, musiziert und mit Wasser der Boden kalligraphiert.

Speisen beim Koreaner

Der Tempel an sich ist meines Erachtens nett, die Anlage aber eher wegen dem Park ein Besuch wert. Den Abend verbrachten wir mit ein paar Deutschen Freunden und chinesischem Anhang in einem der koreanischen Restaurants in der Naehe vom Wudaokou. Diesmal ausnahmsweise kein Barbecue, dafuer eine Reihe anderer unbekannter Koestlichkeiten.

Von Temple of Heaven - Tian tan

Montag, 13. Juli 2009

Das war's!

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.

Johann Wolfgang von Goethe

Fuer mich war das Schreiben des Blogs im letzten Jahr teilweise eine grosse Freude, manchmal eine nette Nebenbeschaeftigung. Oftmals aber auch etwas, was ich vor mir her geschoben habe, gerade in der Klausurzeit. Gedacht war es eigentlich als zentrales Medium der Kommunikation meinerseits an die Heimat, die sonst in dieser Vielfalt auf so vielen Kanไlen mit so vielen Leuten nicht machbar gewesen waere. Daraus ist fuer mich aber ganz unbewusst etwas voellig eigennuetziges geworden: ein Druckmittel, den eigenen Verstand zum Verarbeiten des Erlebten zu bringen. Aus den unglaublich vielfaeltigen Eindruecken und kleinen Geschichten das herauszusuchen, dessen Beschreibung die Heimat interessieren koennte, ist ein gewaltiger Filterprozess. Das dann wiederum zu verbalisieren und zu (digitalem) Papier zu bringen, ist Arbeit, aber eine wahre Fundgrube wenn man darauf mit etwas Abstand zurueckblickt.



Als ich gestern Abend von einem sehr netten Zusammensein mit ein paar Freunden zurueckkam, war mir irgendwie danach die Eintraege des letzten Jahres einmal durchzusehen. Und rums, da war der erste Anfall von Sehnsucht und einem "Ich will zurueck und das alles nochmal erleben"-Gefuehl. Das alles mit dem Tag vorbei war, an dem ich nach Bangkok geflogen bin, war mir in eben dem Moment noch nicht bewusst. Zuviel hatte ich um die Ohren. Und irgendwie hatte ich auch noch im Hinterkopf, dass wir uns ja alle teilweise in Vietnam, teilweise spไter in Aachen, wiedersehen werden. Die Erkenntnis, dass ein solches Wiedersehen zwar viele neue Erinnerungen schaffen wird, die alten aber nicht zu wiederholen vermag, ist mir erst hier gekommen.



Meine Mutter hat mir vor ein paar Wochen gesagt, dass eine Reise anschliessend bei ihr stets etwa die gleiche Zeit zum Verarbeiten in Anspruch genommen hat. Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung nun genau so unterschreiben. Das Jahr in China war zwar viel Alltag, aber in gewisser Weise stets ein Eintauchen in eine fremde Welt. Auch in tiefster Arbeitsphase habe ich taeglich mindestens einmal den Kopf ber Gesehenes geschuettelt und mich auch einmal riesig ueber irgendeine Kleinigkeit gefreut bzw. amuesiert. In einer uns so fremden Kultur warten einfach zuviele kleine "Schocks" derselben auf denjenigen, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Wenn ich hier in Bangkok nach dem Jahr in China gefragt werde, gebe ich jedes Mal andere Antworten, ohne das mir dies in dem Moment bewusst waere. Was hat dir gut gefallen, was nicht so? Wie sind die Chinesen? Willst du zurueck? Auf all diese und auch tiefergehende Fragen kenne ich meine eigenen Antworten noch nicht. Es ist grossartig, dass ich hier gerade die Gelegenheit bekomme mit etwas Abstand und Zeit ueber alles nachzudenken, bevor mit Vietnam eine riesige Menge neues hinzukommt und wir dann in 4 Wochen wieder einreisen werden.

Schliessen moechte ich damit, womit ich auch angefangen habe. Das Schreiben. Henning bemerkte einmal, dass er das zum Spa฿, zur Information und zur Unterhaltung tut. Fuer mich kommt noch das Verarbeiten hinzu. Mit jedem Eintrag konnte ich meine eigenen Erinnerungen sortiere und "verewigen", und damit einen Schritt machen mit dem Erlebten abzuschlie฿en um die Neugier auf etwas Neues zu konzentrieren.

Sonntag, 5. Juli 2009

Zurueck in Bangkok



Darf ich vorstellen, mein Supervisor: Der Mann vorne rechts. Seineszeichens 32 Jahre, Assistant Professor, wissenschaftlich fit, geistig ca auf dem Niveau eines 20 jaehrigen und grosser Fan mit mir many beers zu trinken und des Sitzes hinten auf meinem Fahrrad.



Endlich! Es ist geschafft... Freitag morgen, halb 12 in Peking: Alle "Automotives" haben die Final Presentation ihrer Mini-Thesis erfolgreich ueberstanden. Keine Ausfไlle. Der verantwortliche Dr Wang Zhi ist darueber "very happy" und laed uns zur Master-Ceremony in "maybe 2 or 3 years" ein. Dabei weist er ohne den Ansatz eines Witzes darauf hin, dass das Zeugnis "so schoen bunt" ist und er es eigentlich schade fand, dass bei den Praesenationen so wenige bunte Bilder zu sehen waren. Noch ein obligatorisches Gruppenfoto mit Professoren und Betreuern, und beendet ist das Studium an der Tsinghua. Wahnsinn, wie schnell das Jahr vorbei gegangen ist.

Eben jenen Gedanken hatte ich auch schon am Dienstag. Ich betrat zum ersten mal seit der ersten Woche im letzten September mal wieder das International Office der Tsinghua, wo uns damals die Reise nach Tibet verboten wurde. Ein aeusserst seltsames Gefuehl, da es mir wie gestern vorkam, dass mir alles in den Raeumen und ausserhalb auf dem Campus so voellig neu vorkam. Diese Woche kam ich dorthin, um die vom Graduation Office ersannte "Tsinghua-Schnitzeljagd" zu ueberstehen: Roter Stempel vom Computer Lab, von der Buecherei, vom Netzwerkcenter, vom Registration office, und und und. Natuerlich haben alle Bueros nur kurze Zeit am Tag auf, was meinen ersten Versuch klaeglich scheitern liess. Naja, beim zweiten Mal gings dann relativ unkompliziert. Als nette Unterhaltung zwischendurch gab es mal wieder eine Meisterleistung chinesischer Organisation zu entdecken: Bei Station 4 auf der Liste gibt man seine Student ID card ab - die man fuer den roten Stempel in Station 5 dringend benuetigt :). Fuer mich kein Problem, da ich den Ausweis als "verloren" angab, was mir ein genervtes Kopfnicken der Sekretaerin, 30 Kuai Strafe (=3 Eur) und eine Menge Eintrittsermaessigungen bei der Reise im August eingebracht hat bzw. einbringen wird.

Den Abend nach der Final Presentation werden die meisten von uns in Sanlitun begiessen. Ich kann leider nicht dabei sein, da ich mich im Moment, wo ich dies online stelle, schon in Bangkok befinde. "Was, so schnell?" Wird sich so mancher fragen. Und "warum gabs eigentlich in den letzten Monaten fast nix zu lesen?" wohl ebenfalls. Der Grund liegt darin, dass ich die letzten 2 Monate noch einmal die volle Ladung China durchlebt habe, mit allem drum und dran:

1. Unser Blog ist von China aus nicht mehr zu erreichen - die Great (Fire-) Wall of China laesst gruessen.
2. Meine Simulation am Institut habe ich mit nicht lizensierter Software durchgefuehrt - willkommen in China. Unangenehmer Nebeneffekt: Wenn ich den geliebten VPN angeschaltet hab, hat sich der gecrackte Lizenzserver staendig aufgehaengt - ich war also mehr oder weniger abgeschnitten vom freien Internet.
3. Dazu kam ein enormer, z.T. voellig nutzloser Arbeitsaufwand, der sich hauptsaechlich durch chinesisches Organisationstalent, mangelhafte Kommunikation und eine etwas unguenstige Wahl meines Studienarbeitsthemas ergab.
4. Nebenbei wurde aber, und das ist die andere Seite von dem Jahr in China, jegliche restliche Zeit von der enormen Gastfreundschaft der Chinesen und der tollen Gemeinschaft innerhalb unseres hier aufgebauten Freundeskreises erfuellt.

Alles in allem eine schoene Ausrede, in den letzten 8 Wochen fast nichts hier veroeffentlicht zu haben. Dem moechte ich nun Abhilfe schaffen und sitze daher gerade am Flughafen in Guangzhou und versuche, das in den letzten Wochen erlebte in Worte zu fassen. Dabei lasse ich mir von einem chinesischen Blag mit den beruehmt beruechtigten Quietsch-Schuhen (die muessen eine Erfindung von Kinderlosen frustrierten Freunden junger Eltern sein) die Ruhe rauben und merke, dass ich zum ersten mal ganz deutlich Wehmut dieses verrueckt-nervig-liebenswuerdige Land zu verlassen empfinde... Schon Francois de La Rochefoucauld wusste: Die gluecklichsten Liebschaften basieren auf gegenseitigem Missverstaendnis.

Nachtrag aus Bangkok: Der Wahnsinn! Wetter angenehm, unzaehlige alte Bekannte, die Zeit fuer mich haben. Was kann sich mehr wuenschen? Vielleicht etwas Schlaf, davon gabs aufgrund einer Nacht dank Air Asia am Flughafen Baiyun in Guangzhou und dem Nachtleben hier erstmal recht wenig. Dafuer hab ich endlich Zeit fuer Sachen, nach denen mir einfach mal zumute ist: Einkaufen, Rumgammeln, Kaffee Trinken, Kino gehen, Fotos machen...

Vieles weitere kann und soll in den naechsten Tagen folgen - bis dahin verbleibe ich mit einem freudigen: Kop khun khrap!

Samstag, 2. Mai 2009

Das Rückholerprogramm

An der Tsinghua gibt es ein paar Professoren, die vorher an sehr renommierten Universitäten in den USA gelehrt haben. So kam unser Ergonomics Prof aus Stanford, der Mann von Enterprise Information Management war vorher am MIT und auch sonst läuft hier einiges mit Rang und Namen rum. Wie das kommt? Die besondere Forschungslandschaft China wird sie nicht gereizt haben. Gerade habe ich eine Quelle gefunden, die mal Zahlen nennt zu dem was mein Bruder mir mal als "Rückholerprogramm" erklärt hat.

China has hung a “Help Wanted” sign for scientists and engineers, dangling big-bucks salaries and sparkling new labs to lure back from the United States.

Not long ago, the government aimed such efforts at snagging freshly minted PhDs or entry-level teachers and researchers at US universities. Now they’re going after full professors – folks with a research track record and a proven ability to run a lab. And they’re offering relocation allowances of $146,000 plus salaries reportedly as high as $250,000 a year to do it.

China’s effort is the latest wrinkle in what some experts see as a decade-long loss for the US of foreign nationals – mainly from Asia – who are taking their strong, US-honed and technology skills and heading home.


Quelle.

Freitag, 16. Januar 2009

Erst die Arbeit, dabei das Vergnügen

Gleich gehts auf zur letzten Klausur dieses Semesters. Fahrzeugtechnik 1. Prof Wang hat uns gestern Hoffnung gemacht, dass die Übungen in ausreichendem Maße Berücksichtigung in der Klausur finden, deshalb sind wir alle einigermaßen frohen Mutes.

Unmittelbar im Anschluss gehts dann los. Wohin? Die Marschroute führt uns zunächst ins erdbebengebeutelte Sichuan, genauer gesagt in die Hauptstadt Chengdu.

Um 20:00 geht der Flieger für Werner, Paul und mich; morgen früh kommt Stefan nach. Die Reise wird die ersten Tage von der Weihnachtselfi begleitet, worüber wir uns sehr freuen. Am Montag werden wir sie zuhause in Luzhou (da kommt der berühmte Schnaps her) besuchen und eventuell die Hochzeit ihrer Freundin besuchen. Anschließend geht die Reise weiter kreuz und quer durch die Provinzen Sichuan, Hunan, Guizhou und Yunnan. Dort könnten wir dann mit diversen anderen Gruppen zusammentreffen - mal sehen ob das klappt!

So, das wars erstmal für die Planung, genaueres und Fotos folgen von unterwegs! Viel Spaß allen die ich jetzt nicht mehr sehe und natürlich vielen Dank für die guten Wünsche aus der Heimat.

Sonntag, 11. Januar 2009

Die ersten Klausuren

"There are hard ways, and easy ways, hehehe"
Amüsiert sich Prof. Zhang in mein Ohr. Noch sind 10 Minuten in der Klausur "Alternative Vehicle Propulsion Systems" zu schreiben. Was war meine Frage an den ehrenwerten Herren gewesen? Kann man die auf 12 Minuten angesetzte Aufgabe 1 auch einfach lösen in dem man den Wert aus der Formelsammlung abschreibt? Ja, man kann. Ob das dem Typen vorher aufgefallen ist oder nicht, sei mal dahin gestellt. Die meisten von uns hatten sich zu dieser äußert bequemen Lösung nicht getraut, doch simples Nachfragen half da weiter.

AVPS war bereits die 4. Klausur, die ich an der Tsinghua geschrieben habe (und die vorletzte). Was bleibt zum Niveau hier zu sagen? Mal abgesehen von dem noch kommenden Fach "Automotive Engineering 1", was als schwer angekündigt gilt, war der Schwierigkeitsgrad hier deutlich unter dem Aachener anzusiedeln. Zur Vorbereitung haben wir natürlich wie immer Altklausuren durchgerechnet, stets war das Fazit: Dafür reicht unser Lernfortschritt noch nicht! Für so manchen war das sogar Grund, aus überzogener Torschlusspanik über ein Abmelden nachzudenken. Für die Tsinghua-Klausuren hat es in jedem Fall stets gereicht.

Über die Leistungsfähigkeit der chinesischen Elitestudenten hier an der Tsinghua möchte ich auch ein paar Worte verlieren. Die Jungs und Mädels ackern hier ein wahnsinniges Programm ab, machen 10 Kurse im Semester (ich 6, und das ist schon stressig gewesen), und büffeln nebenbei noch für irgendwelche Firmeneinstellungstests. Privatleben wird da klein, aber ganz klein, geschrieben. Um 11 Uhr geht der Strom in den Wohnheimen aus, und obwohl die alle volljährig sind ist wechselseitiger Besuch in den Wohnheimen nicht erlaubt (obwohl man sich da auch schönere Orte vorstellen kann als ein 4er Zimmer).

Doch was kommt rum bei der ganzen Lernerei? Entweder die chinesischen Studenten sind bis zur Selbstaufgabe bescheiden, oder sie hatten wirklich echte Probleme mit den Klausuren, die wir zusammen geschrieben haben. Wirklich eigenartig. Besonders die Zeit scheint hier ein echtes Problem im Vergleich zu den deutschen Studenten zu sein. Während wir in antrainiertem ME-Tempo die Klausuren z.T. sehr locker unter der Zeit fertig bekamen, war bspw. bei ICEF die gesamte chinesische Belegschaft noch am rechnen, als Paul, Sven und ich schon längst wieder im Wohnheim waren (satte 45 min später bei 120 Min. Klausur), und sind dennoch nicht fertig geworden.

Ich hoffe dass mich die nächsten Monate noch eines besseren belehren, doch die letzten Klausuren hinterließen bei mir ein bisschen den Eindruck, dass das chinesische Bildungssystem dem eigenständigen Lösen neuer Aufgaben nicht nur nicht dienlich ist, sondern es sogar behindert. Denn was hier als Auswahl von 1.400.000.000 Chinesen zu sehen ist, ist ja nicht mal annähernd repräsentativ. Während wir deutschen Studenten 6-8 Stunden am Tag lernen, dabei dann aber richtig verstehen, sitzen die chinesen bis morgens im McDonalds und büffeln wie die irren, nur um dann vor einem leicht abgewandelten Problem zu stehen wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg. Was der Eindruck der Aachener bei diesen Studenten hervorruft, lässt sich an der ziemlich entgeisterten SMS einer Mitstudentin nach einer Klausur ablesen, die ich hier keineswegs aus Selbstbeweihräucherung oder Überheblichkeit zitiere, sondern lediglich um mal zu verdeutlichen, wie der Eindruck anscheinend war.

"Now I think I know why Germany is the number 1 king country of engineering."

Montag, 22. Dezember 2008

Völlerei, Weihnachtsstimmung & 4. Advent

Wie war sie, die letzte Woche. Was gibt's hier noch zu tun neben Fahrzeugtechnik lernen, Chinesischvokabeln pauken und bei Minusgraden den sportlichen Ausgleich zur Lernerei zu suchen? Ganz klar.

FRESSEN!



Weihnachtsstimmung bei
That's Mandarin, unsere
Chinesischschule

Ohja, nicht zu knapp. Was müssen unsere "Wohnheims-Fachkräfte" nur von mir halten... Zwei Wochen lang kam ich zwei mal täglich mit suchendem/hoffendem Blick zur Eingangstüre unseres Wohnheims hinein und schielte immer ganz dezent an der Theke vorbei, hinüber zum Haufen von Paketen für Koreaner, Chinesen und andere Wohnheimsbewohner. Immer auf der Suche nach bekanntem Verpackungsmaterial aus Deutschland, aber nichts. Nach ein paar Tagen ist der Sinn meiner täglichen Spähaktionen wohl aufgeflogen, wahrscheinlich nachdem ich in einem Moment höchster Verzweiflung jammerte, warum denn kein Paket für mich da sei, ob mich meine Eltern wohl nicht lieben? Naja, danach jedenfalls wurde ich jeden Morgen und Abend ganz persönlich mit einem lächeln und einem herzlichen "méiyǒu" begrüßt - "haben wir nicht".
Die Pakete machten ihre Runden, Kekse wurden vernichtet, Kuchen verspeist und ganz Schokoladendivisionen beglückten gestrandete Exildeutsche. Angeschlagen von einem anstrengenden Uni-Dienstag (gottseidank habe ich ab Dienstag mittags schon immer Wochenende), quälte ich mich den Aufzu... die Treppen hoch, ab ins Zimmer, frusten. Aber dann klingelte mein Telefon, die 33 vor zu Beginn der Telefonnummer machten mich stutzig, was will die Rezeption von mir? Habe ich brennende Kerzen stehen gelassen? Zu viel an die Wand geklebt (Kurze Hinweiszettel dieser Art findet man jederzeit auf seinem Schreibtisch)?
Nein, ein Wort und ich wusste was Sache ist: "bāoguò", Paket. Florian, der den Empfang schon fünf Minuten vorher live mitbekommen hatte, wollte sich wohl zusammen mit mir freuen! Er wollte das Paket für mich "annehmen", ha, Schurke! Er wollte mich erpressen, hätte jedoch mit furios-brutaler Gegenwehr rechnen müssen.
Erlöst, das Paket von Mama ist da! Aber die Schrift? Vertan - Überraschung vom Alten. Voll gepackt mit Allerlei Köstlichkeiten. Stollen, Früchtebrot, Marzipan, Schokolade ... Die Weihnachtstage, gerettet. Und einen Tag später? Die selbe Nummer, der gleiche Anruf. Paket ist da, heute von Muttern. Selbstgebackenes, köstlich! Trotz meiner Ankündigung, ich würde eh keine Weihnachtsdeko aufhängen, also bitte nichts mitschicken, waren die Leerräume des Pakets gut gefüllt mit Anhängern, Sternen, etc... Trotz meiner Ankündigung habe ich alles aufgehängt und freue mich noch jetzt über die Dekoration. Zum Keksstatus: Mittwoch-Sonntag, alles weg. Die Kalorien mussten erstmal mit 6 Stunden Badminton und 2 Stunden Fußball wieder vernichtet werden.

Michas Weihnachtsbaum

Nachdem ich die vergangen Adventstage immer schön von meinen Kommilitonen durchgefüttert wurde, habe ich zum 4. Advent eingeladen und ein Kaffeekränzchen in meiner kleinen Bude organisiert. Ausgeschlafen aber ungeduscht (Warmwasser nur bis neun...) wurde ich beim Kaffee kochen von Henning und seiner Kamera überrascht, der meinte seine Sonntagsreportagen einfach mal in mein Zimmer zu verlegen. Wie ihr sehen könnt, Pseudo-Weihnachtsstimmung par excellence! Naja, lecker, lecker, vollgefressen.

4. Advent, Gude Laune


Sonnenuntergang


Dienstag, 16. Dezember 2008

Deutsche Ecke an der Tsinghua

Deutsche Ecke an der Tsinghua

Gerade sind wir vom Jahresabschlussessen der deutschen Ecke an der Tsinghua wiedergekommen. Die "deutsche Ecke" ist gedacht für Deutsche, die Chinesisch lernen und Chinesen, die den umgekehrten Weg wählen. Einmal die Woche gibts ein Treffen, es werden Spiele gespielt, gemeinsam gegessen, gebacken (s.u.) oder einfach nur gequatscht.
Wie ihr am abschließend gemachten Gruppenfoto erkennen könnt, war die chinesische Beteiligung in letzter Zeit der deutschen deutlich unterlegen. Dennoch war/ist es für alle Beteiligten eine Menge Spaß. Bin mal gespannt, wann da mal von unserer Seite richtig chinesisch gesprochen wird von unserer Seite, denn bisher beschränkt es sich doch eher auf deutsch.

Ein WeihnachtsElf(i)

Am letzten Samstag waren wir bei Mingliu eingeladen. Es gab Plätzchen, Feuerzangenbowle und diverseste Süßigkeiten. Weiterhin war noch genug Teig übrig, dass jeder mal selbst Hand anlegen durfte. War sehr lustig zu sehen, wie die Chinesinnen sich das ganze Weihnachtsgetue so anschauen, mitmachen und irgendwie nicht fremd dabei wirken.

Yanyan und Susanne :)

Sonntag, 14. Dezember 2008

3. Advent

Advent, Advent ...

Natürlich mussten wir den sonnigen Tag bei milden Temperaturen um die -4°C wieder mit Kaffee und Keksen begrüßen. Heute war Johannes Gastgeber und alle haben zusammengeschmissen, eine illustre Gebäckrunde! Nur ich konnte wieder nichts beitragen, Fressalien aus der Heimat haben mich noch immer nicht erreicht - wie soll ich denn so 'nen ordentlichen Wintermantel anfressen? Soll ich hier erfrieren? Wenigstens frisch gebrühten IKEA Kaffee konnte ich beisteuern.

Ja, kalt ist es auch auf unserem "grünen Campus", so rühmt er sich zumindest -wären da nicht diese Heizkraftwerke um die Ecke... Aber auch hier (oder gerade hier?) muss geheizt werden. An der Stelle sei erwähnt, dass es sich eine internationale Vielfalt in unserem Wohnheim zur Angewohnheit gemacht hat, die Heizung auf Anschlag laufen zu lassen, um den ganzen Tag in Flip Flops, kurzer Hose und T-Shirt bei offenem Fenster am Schreibtisch zu sitzen. Ich weiß, Lüften ist ne gute und gesunde Sache, aber ...

Wir heizen uns den Sommer

Bei dem sonnigen Wetter mit klarer Sicht erleben wir regelmäßig einen wunderschönen Sonnenuntergang hinterm Sommerpalast "um die Ecke". Da lohnt sich gegen Abend auch mal der lange Aufstieg zum 10. Stock, das sind immerhin 3 Etagen (puh).

10. Stock richtung Sommerpalast,

Ansonsten trifft Jörns Überschrift eigentlich ganz gut, was hier gerade so los ist. Natürlich beim einen mehr, beim anderen weniger. Ich habs nicht ganz so eng mit Klausuren bepackt wie Jörn, aber Vorbereitung und Studienarbeit fressen auch bei mir ausreichend Zeit und Nerven. Beschweren dürfen wir uns nicht - irgendwann musste es ja mal so kommen, schließlich sind wir (auch) zum Studium hierher gekommen. Und allzu lange sind wir damit auch nicht beschäftigt, am 16. Januar ist für uns erstmal Lernschluss und Reisestart - ein knapper Monat.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Máng sǐ le...

...heißt soviel wie "ich sterbe vor Arbeit" und beschreibt auf chinesisch recht gut, wie wir uns derzeit fühlen. Ich möchte an dieser Stelle keinerlei Klage erheben ob der Summe an Aufgaben, die sich uns in den Weg stellt, sondern lediglich ein bisschen Rumjammern, damit ihr versteht warum wir zur Zeit so wenig zum Schreiben (hoffentlich) interessanterer Neuigkeiten kommen.
Am Anfang des Semesters dachte ich noch, dass die nebenbei laufenden Projekte der einzelnen Fächer gegen Ende der Vorlesungszeit zu Ende gehen, damit Platz zur Vorbereitung auf die Klausuren bleibt. Jedoch habe ich mich da gehörig getäuscht: Sie nehmen gemeinsam mit den Hausaufgaben erst jetzt richtig Fahrt auf. Da dazu noch die Studienarbeit kommt und zumindest ich das Gefühl
Du bist hier in China, du kannst jetzt nicht ständig in der Bib sitzen und lernen!!!

nicht los werde, weiß man manchmal nicht wo man die Zeit hernehmen soll, z.B. mit der Heimat Kontakt zu halten. Deshalb hier eine große Entschuldigung! Das gute ist, dass man bei jeder Sekunde juéwàng (Verzweiflung) einen überdimensionalen Rettungsanker verspürt:

Sonnenuntergang auf HuaShan

Man ist hier in China, bald sind 6 Wochen Ferien (wann hatte ich das das letzte mal!?!); es gibt noch viele solcher Eindrücke zu gewinnen und es gilt jeden Tag schön was zu planen für die Zeit. :)

Dienstag, 18. November 2008

Ab in den Osten

Ich muss leider zugeben, dass ich in den letzten 9 Tagen nicht wirklich viel zum Schreiben gekommen bin. Meine Eltern waren von Beginn der letzten Woche an zu Besuch. Am Donnerstag waren wir mit ein paar Leuten (Henning, Heiko, Daniel, Paul und Elfi) im vorletzten Konzert meines Vaters. Obwohl ich irgendwie bisher keinen großen Draht zu der Musik gefunden habe fand ich dieses Konzert großartig.
Den Rest der Woche habe ich tagsüber in der Uni verbracht. Ein paar Projektdeadlines standen an. Ich habe fest vor, darüber noch zu bloggen, deshalb lass ich hier mal das schreiben. Auf jeden fall ne Menge interessanter Arbeit.
Am Samstag vormittag stand das letzte Fussballspiel der Saison an. Wir haben leider in der letzten Minute 2:3 gegen das Sinologie-Institut verloren. Das meine Mannschaftskameraden danach heulend am Boden lagen, hinterlässt bei mir auch jetzt noch einen extrem gedrückten Gemütszustand. Leider konnte ich nicht helfen, das wir gewinnen.
Eigentlich jeden Abend habe ich beim Essen mit meinen Eltern verbracht. Jedesmal ein anderer kulinarischer Hochgenuss :) . Am meisten gefallen hat mir am Dienstag ein kleines chinesisches Restaurant, in dem meine Eltern und die Musikerkollegen eine so krasse Attraktion waren, dass der Abend auf mindestens 150 Gruppenfotos mit der gesamten Belegschaft festgehalten ist. Dabei wurde viel gelacht, mit Händen und Füßen kommuniziert und Baijiu (Reisschnapps) getrunken. Die Leute hier sind einfach der Wahnsinn. Kann ich nicht oft genug betonen.
Morgen fliegen wir mit einer 9er Gruppe nach Seoul. Der Paul hat da ein paar Leute, die wir besuchen werden. Ich freue mich riesig darauf, obwohl mir auch Peking gerade richtig, richtig gut gefällt.

Montag, 10. November 2008

Ingenieur bleibt Ingenieur

Neulich habe ich vom Vorsitzenden unseres Jahrganges eine Einladung zu einer Party erhalten. Bei der Formulierung der Email (siehe unten, FETT) musste ich Schmunzeln und an unser Ingenieur-Schicksal denken... :)

Hi,于乔恩 (ja, das ist mein Name :) )
I'm the monitor of Master 08, and I want to tell you the imformation about the party this evening. We are going to hold a dancing party with girls from other departments this evening. It will start at 6:15pm, and it will be held in a building just out of the east gate of our university.Please do me a favor to tell your friends this information, and if anyone of you is interested in it and want to go to the party, please contact me through the mobile(138**********). I think I can wait for you at the east gate of our university and take you to the building where we will hold the party.Yours, ***

Mittwoch, 5. November 2008

Ohne Worte

Heute gabs die Ergebnisse für den ersten Chinesischtest in der Uni. Da wir alle wie sonstwas geschummelt und abgeschrieben haben, haben die meisten sehr gut abgeschnitten. Stefan war heute morgen zu faul, seins selbst abzuholen, aber ich glaube er hat so ziemlich das gleiche wie ich.


Man beachte das jubelnde Hündchen und das Herz, dass die Chinesischlehrerin unter mein Testergebnis gemalt hat. Sowas hätte ich mir auch von den Herren Berg, Lucas, Gold und Beiß gewünscht. :)

Stefan:
Zu faul? So ein Quatsch, als würde ich mir solch fabelhafte Vorlesung freiwillig entgehen lassen! Mein Wecker lag am Abend so weit weg von mir, konnte ihn nicht direkt erreichen und dann erlag ich den Strapazen des Tages beim Versuch mich aufzurichten und bin ohne Wecker eingeschlafen- wer kann da von Faulheit reden!?

Abschreiben und schummeln? Unerhört! Wir sind doch alle gewissenhafte Studenten an einer Elite-Universität, wer schummelt hätte doch hier nichts zu suchen! Da könnte man ja noch in die Welt setzen wir würden jedes Wochenende unterwegs sein, anstatt brav die Stühle in der Bibliothek zu wärmen.

Ich bin empört!

Montag, 27. Oktober 2008

Video vom Campus

Unsere guten Kollegen Henning und Johannes haben eine Videotour über den Campus gemacht. Sehr interessant vor allem natürlich für zukünftige Interessenten sowie diejenigen, die in Aachen oder Münster oder sonstwo dieses amerikanische College-Studium-Gefühl vermissen.

Montag, 22. September 2008

Easy going!

Heute leider nur halber Verkehr auf den Campus-Straßen: Gutes Durchkommen, kein Stau - ein Traum!