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Samstag, 27. März 2010

Abstinenz

Im letzten Jahr hat der uns von der RWTH zur Verfügung gestellte VPN noch bestens seinen "Dienst" erfüllt - so ein Ding kann Gold wert sein in einem Land wie China. Dieses Jahr ist er aus mir bisher unerklärlichen Gründen zwar funktionsfähig, aber nutzlos.

Das Google am Montag offiziell seinen Rückzug aus China erklärt hat und seitdem alle User aus China (also auch mich) auf die "unlimitierte" Hongkonger Webseite umleitet, ist sicher nicht nur darin begründet, dass "China seine Bürger vor Pornographie" schützen möchte, wie es die China Daily ausgedrückt hat. Immerhin bin ich dank freundlicher Hilfe meines Kollegen wieder in der Lage, auf 1) den Blog, 2) Picasa, 3) China Digital Times, 4) Kicker.de (???) und 5) Facebook zuzugreifen. Also die Seiten, die ich am häufigsten nutze.

Bei 3 Wochen Abstinenz merkt man schon, wie sehr man davon "abhängig" ist. Oder, wie Tyler Durden gesagt hat, "The Things You Own End Up Owning You at Last".

Sonst ist hier mittlerweile alles recht entspannt. Ich habe ein nettes kleines Haus in der Gulouxidajie bezogen und fühle mich wohl. Am Wochenende hab ich bisher immer noch was für die Heimat tun müssen und werde es auch heute und morgen tun (Studienarbeit), aber ab nächste Woche wird's dann entspannt - und hoffentlich auch warm!

PS: Fotos kann ich grad nicht hochladen, die Verbindung ist einfach zu langsam.

Dienstag, 10. November 2009

Beijing blanketed in Smog

Was man auch als chaotisches Schneetreiben in Pekings Innenstadt itnerpretieren könnte, hat leider wenig mit den vielen schönen weißen Schneeflocken gemeinsam, die heute Nacht während eines apokalytiscschen infernalischem Sturm auf die Stadt niederschneiten. Keine dichten Wolken verhindern die Sicht auf die nicht allzu weit entfernten Gebäuder des CBD (Central Business District), sondern Smog.

Smog. Das ist so ein Wort, das man schnell als unangenehme und ungeseunde Nebenerscheinung zu schnell wachsender industrialisierender Großstädte in Asien und Südamerika abhakt. Eine richtige Vorstellung, wie "Smog" aussieht, riecht, schmeckt und wie Smog unangenehmes Kratzen im Hals verursacht, haben die Wenigsten. Und das ist auch gut so! Nach mittlerweile 14 Monaten in Chinas Hauptstadt weiß ich nur zu gut, was Smog eigentlich bedeutet.

Besonders während der letzten Tage war die Belastung durch schlechte Luft enorm. In der Nacht vom 1. auf den 2. November wurden die Heizkraftwerke der Stadt angeschmissen, um 16. Mio. Bürger mit Wärme zu versorgen. Resultat der Aktion war ein API von knapp 500 am Morgen um 01:00 Uhr des 2. November. Der API/AQI (Air Pollution/Quality Index) ist ein Maß für die Luftverschmutzung und wird für China in folgenden Bereichen klassifiziert:


Air Pollution
Level
Health Implications
0 - 50 Excellent No health implications
51 -100 Good No health implications
101-150 Slightly Polluted Slight irrations may occur, individuals with breathing or heart problems should reduce outdoor exercise.
151-200 Lightly Polluted Slight irrations may occur, individuals with breathing or heart problems should reduce outdoor exercise.
201-250 Moderately Polluted Healthy people will be noticeably affected. People with breathing or heart problems will experience reduced endurance in activities. These individuals and elders should remain indoors and restrict activities.
251-300 Heavily Polluted Healthy people will be noticeably affected. People with breathing or heart problems will experience reduced endurance in activities. These individuals and elders should remain indoors and restrict activities.
300+ Severely Polluted Healthy people will experience reduced endurance in activities. There may be strong irritations and symptoms and may trigger other illnesses. Elders and the sick should remain indoors and avoid exercise. Healthy individuals should avoid out door activities.


Für Peking ist er zu jeder Tageszeit unter http://twitter.com/BeijingAir zu verfolgen.

Ein Amerikanischer Bürger hat die Luftverschmutzung der letzten Tage ordentlich dokumentiert:




Ein Bild der NASA ist mindestens genauso beeindruckend:

Der ganze Artikel:

http://chinadigitaltimes.net/2009/11/photos-beijing-blanketed-in-smog/

Sonntag, 8. November 2009

Homage an den RWTH/Tsinghua Jahrgang '08/'09

Sonntag: Was tun?

Tsinghua, Gebäude #21, Erdgeschoss irgendwann zwischen Montag und Sonntag, 00:00 - 24:00 Uhr. Irgendein Deutscher schiebt verzweifelt zerknitterte 5 RMB Scheine, die er gerade noch in der Hosentasche vom letzten Abend gefunden hat, in den grauen gelangweilt drein blickenden Geldschlitz der Getränkemaschine - wohl behütet von den paar Fuwuyuans, die gerade Schichtdienst an der Rezeption haben. Zwei mal drücken, zwei mal ein dumpfes Aufprallen und es ist geschehen: Schon wieder wurden aus der Maschine zwei Dosen gekühltes Yanjing Bier entwendet, um wahrscheinlich in den nächsten 0,5 - 60 Minuten von einem namenlosen Deutschen verzehrt zu werden.

Vorstellbares Szenario: Aus dem zerknitterten 5 RMB Schein werden 30 RMB und irgendein Deutscher verbringt mehrere Minuten vor der liebevoll "Pijiuji" getauften Maschine (Beer-machine), um die durstige Truppe der RWTH-Aachen/Tsinghua University Austauschstudenten vor dem Gebäude mit frischen Getränken zu versorgen. In 50% aller Fälle begibt sich eben genau diese Truppe innerhalb der nächsten 30 Minuten zu den Pforten des "dongbeimener" (North East Gate) um einen Platz im Taxi zu ergattern. Ziel: Sanlitun.

Sanlitun, eine vereinzelte, von Renovierungsmaßnahmen in der unmittelbaren Umgebung verschonte Barmeile im Herzen des Chaoyang Districts, an dem sich an scheinbar jedem Wochentag eine internationale Vielfalt von Gästen und Gestalten trifft, um die umliegenden mehr oder minder guten Bars, Kneipen, Restaurants, Clubs, Cafes, DVD-Läden... zu besuchen. Über die Qualität dieser Läden darf man streiten. Von Clubs mit luxeriösem und teurem Interieur bis hin zu ranzigen Hintergassenbuden, an denen ein gepanschtes Glas Gin-Tonic für 10 RMB zu haben ist, ist alles zu haben. Wenn es dort nicht gefällt, befindet sich die restliche Nachtszene Beijings in unmittelbarer Taxi-10-Minuten Umgebung.

Der Stadtregierung ist dieser Ort des teils unanständigem und ungezügeltem Vergnügens, mit billigem Bier, rumpöbelden Besuchern und verschmutzen Straßen ein Dorn im Auge, wurde die unmittelbare Umgebung doch kürzlich vollständig renoviert, mit Einkaufszentren, teuren Marken-Läden und der ein oder anderen Starbucks Zentrale. Würden dort nicht täglich 1000 Menschen verschiedener Herkunft ein und auskehren und eine sicherlich beachtliche Stange Geld lassen, hätte diese Straße schon für Schneider, Kinos und Nobel-Restaurants weichen müssen - die das moderne und wohlhabene Pekinger Stadtbild erzeugen sollen, von dem man hier träumt.

Unbestritten ist die Tatsache, dass unser Jahrgang, genau wie der vorherige und der jetzige (ich habe verlässliche Informationen), nicht nur einmal wöchentlich mit dem Taxi von der Pijiuji am Gebäude #21 bis nach Sanlitun gefahren ist, um dort einen ausgelassenen Abend in der Umgebung zu verbringen. Genauso wichtig wie die gekühlte Dose Bier in der Hand während der Taxifahrt, dürfte auch der ein oder andere wohlverdiente Fleisch-Spieß sein, den so ziemlich jeder regelmaßig nach AnkDer unft in Sanlitun verdrückt hat. Aus einem deutschen Stamm-Kiosk wurde schnell die "Spießchenfrau", die uns irgendwann verlässlich mit lächelndem Gesicht und Handschlag begrüßt hat. Nach getaner Arbeit durfte der weitere Abend dann eingelteitet werden - wohin es auch immer gehen sollte. Wer später noch Sehnsucht hatte, den konnte man auch drei Stunden später beim Übergang in die nächste Lokalität wieder bei der Spießefrau begrüßen.

Wie üblich ereignete es sich auch letzten Freitag im Telefonat mit Flo, der bei der Betreuung deutscher Gäste irgendwo verloren gegangen war:

Wo bist Du?

Sanlitun

WO?

SANLITUN!

Wo genau?

SHOOTERS!

Komm mal raus.

[...]

Wo treffen?

SPIEßEFRAU!


Kaum wurde aus Studium Arbeit und aus dem Wohnheim auf dem Campus eine Yuppiebude im Osten der Stadt, verlaufen wir uns nicht mehr so oft nach Wudaokou. Da gibts schießlich nic... nicht so viel, wie in Chaoyang zu sehen. Schöne (und weniger schöne) Erinnerungen brachten die Idee, diesen Spießelauf von Wudaokou nach Sanlitun doch mal zu wiederholen. Ist die Zeit unter der Woche immer etwas knapp, schien der heutige Sonntag perfekt geeignet und Florian, Alice und ich machten uns auf den Weg, die altbekannte Route mal auf eine andere Art und Weise zu bestreiten.



Die Teilnehmerquote ließ leider zu wünschen übrig, dabei hatten wir doch rasende Reporter und jubelnde Fans auf dem Rad dabei (danke an Flo und Alice!). Ich hoffe, beim nächsten Event auf etwas mehr geteilte Begeisterung zu stoßen. Diese Art der Fortbeweung hat noch einen ganz anderen Vorteil: Man sieht mal wieder richtig was von Peking! Besonders die West-ost Strecke, vom Zoo bis zum Workersstadium ist wunderschön und belebt.

Das Vorhaben sollte sich nicht so einfach gestalten, wie angenommen. Bei Ankunft um 4 Uhr heute Nachmittag der erste Schock:

Die roten Kreuze markieren den Schatz

Nicht nur wurde die dritte Reihe Yanjing Bier aus dem Automaten entfernt, die restlichen Vorräte waren aufgebraucht (Danke an den Jahrgang '09/'10). Aber wir sind ja in China. Ein kurzer Anruf der Fuwuyuans ans benachbarte Gebäude #22 brachte die Lösung. Dort war der Automat noch voll bestückt. Um XX ging es dann los auf die zweistündige Reise in den Osten.

der erste RWTH-Aachen/Tsinghua-Univestiy Yanjing Pijiuji Sanlitun Yangrou Chuaner 1/2 Marathon kann beginnen

Die Teilnehmerzahl ließ zu wünschen übrig

Gut gelaunt in Sanlitun angekommen, ereilte uns der nächste Schock: Es war noch zu früh - kein Spießeverkäufer weit und breit. Auch die Frau unseres Vertrauens hat sich eine gehörige Portion Enttäuschung verdient. Enttäuscht kehrten wir in Lugas Villa ein, um die Reise mit einem wohlverdienten Glas Yanjing Zhapi zu feiern. Den Spieß sollte es leider erst wieder unserer Rückkehr nach Hause geben. Danke an Flo, den ich bei Ankunft Zuhause mit köstlich dampfenden Lamm-Fleisch-Spießen vom Xinjiang Grill unseres Vertrauens im Wohnzimmer antraf.


Genug Zeit hatte ich ja, um über die verschiedenen abendlichen Ausflüge nach Sanlitun nachzudenken und mich an viele kleine Geschichten zu erinnern, die sich im letzten Jahr so angehäuft hatten. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass diese Reisen immer nur genauso witzig war, wie die Leute mit denen man sich auf den Weg gemacht hat - und die waren einfach super. Vielen Dank an eine klasse Austauschjahr mit vielen guten und verdammt witzigen Erfahrungen und Erlebnissen, nicht nur in und um Sanlitun. Dank für die ausdauernste Partycrew geht an dieser Stelle ganz klar an die Automitives - Jia you in Deutschland.

Traum!

Auch für uns ist die Reise bald vorbei, am 18.12. geht es wieder zurück nach Deutschland...

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Beijing Bubbles

Lieber Paul, wenn das nicht ein Buch für uns beide ist!?! Ich hab's mir schon bestellt :).


The Economist’s More Intelligent Life blog:

Just as the 100 Club and CBGB fostered movements in London and New York City, Beijing’s D-22 nightclub serves as the epicentre for its burgeoning alternative scene. Michael Pettis, a Peking University professor who was once a fixture in New York’s East Village, founded the dive bar three years ago. Though the idea of an “underground scene” is often associated with , D-22’s small stage hosts a variety of acts, from glam rock to experimental electronic, classic rock ‘n’ roll and Mongolian folk . Many bands have hard-rocking frontwomen in the vein of Karen O from the Yeah Yeah Yeahs; some sing in both Chinese and English. All eschew the country’s mainstream affection for saccharine pop.

“Sound Kapital: Beijing’s Underground” captures the scene in a collection of band portraits culled from thousands of photos taken in D-22’s basement over two years. The style, humour and energy of these subjects are both authentic and familiar. These kids have quite a bit to rebel against.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Today's alarming statistics

Es lebe Googlemail: Ueber das Jahr haben sich so einige Newsletter der Webseite beijinger.com in meinem Postfach angesammelt. Hier ein paar interessante Beitraege zur woechentlich erscheinenden "alarmierenden Statistik" (ich korrigiere: 1 Euro sind ca. 10 RMB):

34 billion
The amount in RMB that the city government plans to spend on tranportation over the next 5 years

113
Minutes it took a reporter to do a lap of the Second Ring Road on the number 800 bus during the first morning peak hour after Olympic traffic restrictions were lifted

230,000
Number of people in Beijing living on less than RMB 390 a month

10
Perecentage of Beijing's primary and high school students with good eyesight

605
The number of drivers that have been finded for breaking the new traffic regulations in Chaoyang district since the ban took effect on Oct 11 (geschrieben am 07.11.)

46.5
The percentage of Beijing's 90,000 sex workers that use condoms

24,000,000
Estimated unemployed population of 2009 in China

65,970
Number of vehicles registered in Beijing in the first 45 days of the year (geschrieben am 19.02.)

64
Number of applications for The Best Job in the World that originated from Beijing

37,500
The number of "dangerous items" that have been siezed at Beijing's subway security check points since they were set up at the end of June last year. (12.03.)

353,800
Number of Huangbiao Che or cars not meeting Euro I emission standards that, as of Jan 1, are forbidden from being driven within the Fifth Ring Road

60,000
Number of alernate-energy vehicles to take to China's roads by 2012 according to Minister of Science and Technology Wan Gang

143,000
Number of Beijingers with a net worth of over 10 million RMB

RMB 32,328
The amount, per square meter, that property developer SOHO China Ltd. has been allowed to buy properties around the Qianmen area

350+ million
The number of smokers in China, whose numbers grow at an annual
rate of three million. For comparison purposes, the U.S.A. has a population of 303 million

Kurze Zwischenfrage: Wenn China zu Nikotinpflastern verpflichtet, darf es dann die CO2 Zertifikate weiterverkaufen?

45 Billion
In China alone, the estimated number of pairs of disposable chopsticks that are used and thrown away annually

20 percent
Percentage of RMB bills found to contain traces of cocaine in a recent study by the American Chemical Society

27:1
The home price to annual income ratio in Beijing – five times the international average

Donnerstag, 27. August 2009

Beijing mit dem Fahrrad, 呵!

Von Hutongs


"Hier gehts nicht weiter, hier ist eine Sackgasse, !" Ruft eine freundliche Frau auf einem dreirädrigen "Transportgerät" uns zu. Eine Schule markiert das Ende der winzigen Gasse, auch Hutong, zwischen den "Courtyard houses". "Wo geht's denn zur Guloudajie, ?", frage ich, um den Weg zu finden. Es ist 8 Uhr morgens - und wir sind mit den Fahrrädern irgendwo in den kleinen Gassen zwischen 1. und 2. nördlichen Ring, der vielleicht schönsten Gegend von Peking, unterwegs. Nach ein paar freundlich gemeinten, wilden Armbewegungen wissen Paul und ich bescheid. "Wo soll's denn hingehen?", wird uns und unseren Fahrrädern nach gerufen,"...zur verbotenen Stadt?! Das ist doch viiiel zu weit, !!"

Als wir ca. 20 min. später mit unseren Drahteseln auf den Platz des himmmlischen Friedens rollen, ist uns bereits mehreres bewusst geworden:

1) Chinesen haben keinerlei Gefühl für Entfernungen
2) Man hätte es nicht für möglich gehalten, aber so langsam findet man den Pekinger Verkehr "ziemlich normal
3) "Gar nicht zu glauben, dass es Gegenden von Peking gibt wo es so ruhig ist!" Paul, während zwar in einem Hutong, aber immerhin an einer Baustelle vorbei fahren
4) Die einzelnen Wohngebiete von Peking tragen offenbar einen Wettbewerb aus, wessen öffentliche Toilette weiter zu riechen ist
5) Auch an Wochentagen ist auf dem Platz des Himmlischen Friedens schlicht mehr los, als in Münster an Karneval

Die Fahrradtour brachte uns, von unserem Hostel in Xicheng, zu Mao (welcher im MaOsoleum liegt), weiter zur Yanjingcheng bei der Panjiayuanqiao, zum CCTV tower, nach Sanlitun und schließlich zurück. Es war höchst faszinierend, denn

6) Es gibt auch ein Peking zwischen den U-Bahn-Stationen und Sehenswürdigkeiten. Diese Gegenden sind nicht minder schön!

Apropos Mao: der gute Mann liegt aufgebahrt in einem kommunistischen Prachtbau auf dem Platz des himmlischen Friedens. Nachdem wir in Hanoi in Vietnam Hoh Chi Minh in die Augen blicken durften und uns das ziemlich beeindruckt hat, wollten wir nun auch Chinas höchsten Genossen mal ins Antlitz lächeln. Dass er nicht zurücklächeln und Smalltalk halten würde, war uns durchaus bewusst. Dass er aber von seiner einstigen, immerhin schon zweifelhaften, Schönheit nun gänzlich Abschied genommen hat, überraschte uns dann doch. Ob dass seinem Leibarzt zu verdanken oder der Smog in Peking dafür verantwortlich ist, sei der Fantasie überlassen.

In Hanoi, beim Vater des Nordvietnamesischen Widerstandes, entstand ein einzigartiges Gefühl des Respekts beim Marsch durch das Mausoleum. Dies war sowohl der Aufmachung ('Uncle Hoh' war so aufgebahrt, dass man ihm ins Gesicht blickte) und der Reaktion seinder anwesenden Landsleute geschuldet, die still und erwürdig an ihm vorbeizogen. Bei Mao gab es zwar auch einen Herren vor uns, schon im Pensionsalter, dem die Tränen in die Augen schossen als er eine Blume an der Statue im Vorraum ablegte, aber die Mehrzahl der Anwesenden wäre mit der Bezeichnung "chinesischer Pöbel" noch gut bedient gewesen. Auch die Soldaten im eigentlichen "Ausstellraum" waren tendenziell eine Ecke zu laut - dennoch war auch der Besuch der zweiten kommunistischen Größe durchaus ein Gewinn.

Zurück zur Fahrradtour: Irgendwie hatte ich, obwohl ein Jahr hier gewesen, nie so richtig das Gefühl mich in der Stadt auszukennen. Das hat sich nun zumindest ein wenig geändert, denn jetzt kenne ich zumindest den Grund: Man ist es gewöhnt, die Strecken in einer Stadt mit dem Fahrrad zurückzulegen, kennt daher nicht nur die großen sondern grade auch die kleinen Straßen. Da unsere Uni in Peking ca. 20 km vom Stadtzentrum entfernt (obwohl immerhin noch innerhalb des 5.Stadtringes gelegen) liegt, haben wir das Fahrrad selten für weitere Ausflüge als zu Carrefour oder dem Wudaokou clothing market verwendet. Wenn (und das ist zeitlich gemeint, nicht kausal :) ) ich zurückkehre, werde ich definitiv wieder im Zentrum residieren und mir ein Fahrrad zulegen. Erst so lernt man Peking richtig kennen.

Freitag, 14. August 2009

Da ist das Ding!

Oli Kahn, 2001

Der gute Oliver hatte sich damals ueber die Meisterschaft wohl etwas mehr gefreut, aber auch mich macht das Visum in meinen Haenden aehnlich gluecklich. Nach Monate langem Planen, Informieren und Organisieren, Fragen, Lesen und Frustrieren, nachdem ich einen Haufen wichtiger aber unnoetiger Dokumente durch Vietnam geschleppt habe und beinahe den Reisepass auf Cat Ba Island nahe Hanoi haette liegen lassen (Wir alle danken der freundlichen Dame an der Rezeption, denn niemand ausser ihr hatte an unsere Dokumente gedacht...).

Heute morgen spazierte ich hoffnungsvoll ins Konsulat und ein von monotoner Arbeit gelangweiltes Gesicht begruesste mich hinter einer dicken Panzerglasscheieb liebevoll mit "here only pay, go other window". Meinen Reisepass nahm ich dort aufgeregt entgegen und hatte den Eindruck, die gute Frau auf der anderen Seite konnte nicht wirklich nachvollziehen, warum ich mich so begeistert und erleichtert verabschiedete.

Ein kurzer Blick auf das Visum hat mich auch von meinen letzten Aengsten erloest: Ich muss nicht zuerst in Peking einreisen. Von offizieller Seite her hiess es zunaechst, ich muesse genau am 10. August in Peking einreisen, ehe ich mich irgendwo anders in China blicken lassen duerfte. Das haette fuer mich bedeutet von Hong Kong nach Beijing zu fliegen, ehe ich wieder nach Cambodia reisen darf. Aber: Ich konnte auch noch am 12. August ins Konsulat und darf nun einreisen wo und wann immer ich moechte - was fuer eine Erleichterung.

Fraglich bleibt fuer mich, warum die Visa-Vergabe offensichtlich einer solchen Willkuer ausgesetzt ist, dass keine Visa-Agentur, kein chinesisches Konsulat und keine Reiseagentur verbindliche Antworten auf meine Fragen bereits im Voraus geben kann. Der Peking-Einreise-Quatsch steht u.A. in einem offiziellen Schreiben von Siemens, ein Leitfaden fuer die Beantragung eines Arbeitsvisums fuer Angestellte und Praktikanten.

30 Tage "Spass" am Stueck