... hat der Herr Stromberg gesagt. Und auch ich muss selbiges bald tun, uebermorgen ist schluss mit Onsen, Sushi und gemeinsamer Morgengymnastik in der Firma. Nahezu zeitgleich mit den 3 ueblichen Verdaechtigen aus Peking werde auch ich Part II des Ostasienaufenthaltes in den naechsten Tagen beenden.
Fast 8 Wochen ist es her, dass ich hier das letzte mal meine Erlebnisse veroeffentlicht habe. Das hat diverse Gruende. Faulheit, die vermehrte Nutzung von Facebook und vor allem der Overkill an taeglicher Zeit am Computer gehoeren dazu. Wenn man 8-12 Stunden am Tag mit "rumsimulieren" beschaeftigt ist, ist man froh ueber jede Sekunde am Tag in der die Augen nicht mit 75 Hz plakatiert werden.
Doch es gibt "so einiges" zu berichten ueber die Zeit in Japan - und auch wenn dies China Weekly ist, wird hier bald darueber berichtet werden. Am Dienstag fliege ich erstmal nach Thailand, um dort eine kleine Wiedervereinigung mit der Familie zu feiern. Bruder kommt aus Beijing, Eltern aus Deutschland, und gemeinsam gehts an den Strand. Ich wollte schon immer mal Weihnachten mit Cocktailschirmchen verbringen.
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Sonntag, 13. Dezember 2009
Montag, 19. Oktober 2009
Japan - ein stilles Örtchen
"Die öffentlichen Toiletten sind die Visitenkarten eines Landes. Nirgendwo stimmt das mehr als in Japan." (Der Autor Andreas Neuenkirchen in "Gebrauchsanweisung Japan")Nanu, mag sich der eine oder andere fragen. Soviel Aufhebens um Toiletten? Nun ja. Wer sein Leben mal etwas länger in China ausserhalb von Pudong (Shanghai) und Chaoyang (Peking) verbracht hat, der wird wissen, warum es in China 2008 den "Welt-Toiletten-Gipfel" gab, und warum man aus dem einfachen, öffentlich zu verrichtenden Geschäft, ein Geister-scheidendes Thema machen kann: die einen halten es aus, die anderen fahren nicht (mehr) nach China.
"Aber Japan? Das ist doch eine Industrienation!" Wird der Asienkenner lauthals verkünden. Richtig. Als ich vor ein paar Wochen endlich anfangen durfte, meine Freude über den bevorstehenden Aufenthalt im Land der aufgehenden Sonne hinausposaunen zu dürfen, da erreichten mich aus verschiedensten Ecken dieser Welt, quasi kultur-übergreifend, interessante Kommentare. Anscheinend ist da was im Busch, was mit Nippon und seinen Wasserklosetts zu tun hat.
So ließ sich mich eine Bekannte aus Polen wissen, dass ihr die Sache mit Japan ja schon fremd ist, aber dann diese Sanitärsituation?
"Am miesesten gefällt mir die Sache mit den Toiletten, was ist da so toll dran?" (Anna, Polen)Anscheinend ist bei uns in Europa das Bild vom großen Nachbarn China geprägt, der wie oben beschrieben zurecht in dieser Disziplin zu Weltruhm gekommen ist. Doch auch im Land der Mitte selbst scheint die Sache ein Thema zu sein:
"...Please remember to go to Japanese WC's, some people told me it is very interesting..." (Kelly, China)Ich habe kurz überlegt, wie ich ihr das beibringen soll, dass man so etwas in 2 Monaten, ohne sehr große Probleme zu bekommen, schlecht vergessen kann. Aber da Chinesen, Sarkasmus und Ironie quasi ein trio infernale bilden, habe ich mir das verkniffen.*
Aber jetzt lass dich Katze aus dem Sack, Jörn, was ist nun das besondere, was die japanischen Toiletten auf der Welt so besonders macht? Nun ja, wohl dass man für sie eine Gebrauchsanweisung braucht. Es gibt soviele Knöpfe, dass man allein mit dem geistigen Vorstellen der mit Icons visualisierten Funktionen einige Zeit verbringen kann. Da gibt es diverse Spülstrahlen mit Joystick, verschiedenste Gebläse und Musik. Ja, richtig, Musik - denn der Nebenmann soll ja nicht gestört werden - da kommt ein Bach-Stakkato doch etwas stillvoller als das eigene.
Zum Glück war ich schon mit der Materie vertraut- ich war vorbelastet: Die Koreaner haben sich einiges abgeguckt, im September in Busan durfte ich schon mal "testen":
Als ich das erste Mal bei Frau Bae den hochmodernen Apparat benutzte, hätte ich so einiges für eine Gebrauchsanweisung gegeben, bis ich dann doch -mit Schweiß auf der Stirn und der einen oder anderen peinlichen Situation vor Augen - hinter dem Kasten den manuellen Spülhebel fand. (Jörn, Korea)
Vor ein paar Tagen habe ich von einem Studenten gehört, dass in der Nähe von Shinjuku der modernste "Schont" der Welt zu finden sein soll. Ich bin gespannt - die vom Sheraton in Ebisu hat definitiv die Messlatte hochgelegt. Ich werde berichten!
PS: Beim Oktoberfest in Yokohama vor zwei Tagen stieß ich auf eine Gelegenheit, an eben einer jener Örtlichkeiten mit meinen Chinesisch- bzw. Kanji**-Kenntnissen zu punkten: Es gab pro Geschlecht zwei Schlangen, eine für 小号 (Xiao Hao - kleine Nummer) und eine für 大号(Da Hao - große Nummer); Interpretationen bleiben dem Leser selbst überlassen.
*Circa sagt der Chinese nicht, quasi, das ist Chinesisch.
**Die Japaner benutzen zumindest in manchen Situationen die chinesischen Schriftzeichen, im japanischen genannt "Kanji".
Eingestellt von
Jörn
um
20:53
Sonntag, 18. Oktober 2009
Und sie stellen sich an!
Schlangen an den Türmarkierungen auf dem Bahnsteig, man entschuldige die QualitätDer Atem eines japanischen Geschäftsmannes wird mir ins Ohr gedrückt. Links, rechts, vor und hinter mir: Menschen. Jeder von ihnen versucht, zu Boden zu gucken - und bildet so ein Meer von schwarzen Haaren, unterbrochen von bunten Reklameschildern, die von der Decke hängen. Von allen Seiten wird gedrückt. Meine Arme sind vor meinem Körper verschränkt, während ich mit kleinen Schritten die kriechende Bewegung in den Zugwaggon unterstütze. Draußen wird etwas auf japanisch gerufen, dazu lautes Pfeifen am Bahnsteig. Männer mit schwarzen Handschuhen heben Bretter an die Körper derer, die noch nicht ganz im Waggon drin sind - und schieben. Niemand beschwert sich -es wird solange ertragen, bis schließlich jeder reingepfercht ist und die Türen der U-Bahn sich schließen.
U-Bahn-Alltag in Tokyo zur morgendlichen Rush-Hour. Erinnerungen an oben beschriebenes, welches ich auf dem Heimweg mit einer der ersten U-Bahnen während meines letzten Aufenthaltes einmal erleben durfte, wurden gestern wach, als ich das erste Mal wieder die hochfrequentierten Linien der Untergrundbahn in Japans Hauptstadt benutzte. Ich war zu Besuch bei Arne, der an der Keio University ein Auslandssemester macht. Diesmal nahm ich die letzte U-Bahn, nicht die erste, aber die war wohl ähnlich voll, denn es war der letzte Zug, der Tokyo mit dem Heim unzähliger Pendler, Yokohama, verbindet.
Wenn man überlegt, dass im Bahnhof Shinjuku täglich eine ähnliche Anzahl an Menschen "umgeschlagen" wird, wie in allen deutschen Bahnhöfen zusammen, wird einem das Ausmaß der Menschenmassen vielleicht bewusst. Das es in diesen Situationen auch durchaus zu Problemen führt, zeigt die Einführung von Markierungen, die anzeigen dass zu Stoßzeiten gewisse Waggons nur von Frauen (und ihren Kindern) benutzt werden dürfen, um sie vor sexueller Belästigung zu schützen. Sicherlich ist es in so einem Gedränge schwierig, Gewolltes von Ungewolltem zu Trennen, doch scheint bei dem einen oder anderen japanischen "Salary Man" in diesen Situationen eine Sicherung durchzubrennen.
"Die wahre Natur eines Menschen zeigt sich erst in Extremsituationen" Ist einer der Stammtischweisheiten, die ich am liebsten benutze. Nun mag man munkeln, dass für den einen oder anderen Japaner dieses Wahnsinnsgedränge schon zum Alltag gehört. Doch was treibt jemanden, der sich an Bushaltestellen gemäß der Ankunftszeit einreiht, oder an U-Bahnstationen die Ankommenden nicht nur erst rauslässt, sondern dabei sogar in einer Supermarkt-ähnlichen Schlange wartet (siehe Foto oben), 5 min. später der jungen Dame in Schulmädchenuniform an den Hintern zu greifen?
Eine Stadt - eine U-Bahn: Ohne das System, dass wie ein Uhrwerk funktioniert, würde das endlose Häusermeer Tokyo wohl im Verkehrschaos versinken
Sicherlich ist ein generelles Problem, dass die Rolle der Frauen in Japan noch eine andere ist, als bei uns. Wer mit 25 noch nicht verheiratet ist, wird schonmal abfällig als "Liegengebliebener (Weihnachts-)Kuchen" - man denke an den 24./25. Dezember - bezeichnet. Kinder zu kriegen wird mehr oder weniger als Hauptaufgabe im Leben der Frauen angesehen - und danach ist die noch junge Karriere in der Regel vorbei. Im öffentlichen Leben haben Frauen mit erheblichen Ungerechtigkeiten bei Gehältern und Jobsuche zu kämpfen. Während bei die Emanzipationsbewegung über Diskriminierungsprobleme wie die Namensgebungen für Hoch- oder Tiefdruckgebiete in der Wettervorhersage diskutiert, sind die Probleme hier noch wirklich essenziell. Das die Mädchen in der Schule in einem sonst (öffentlich) eher prüden Land Schuluniformen angezogen bekommen, die bei meinem sehr direkten Deutschlehrer Alfred Vollmer wohl die Worte "billige Schlampen" in den Kopf zaubern würden, mag man guten Gewissens als Ausdruck der Wertschätzung weiblicher Studenten auffassen.
Doch offenbart sich bei den U-Bahngrapschern vielleicht ein noch etwas tiefer liegendes Problem. Wer unserer Tage nach Japan reist, wird von der Höflichkeit im öffentlichen Leben trotz aller Erwartungen immer noch positiv überrascht werden. Die Freund- bis Herzlichkeit, mit der die Hierarchien im alltäglichen Service akzeptiert und letzterer ausgeübt wird (Supermarktangestellter zu Kunden, Mensakoch zu Student, Busfahrer zu Fahrgast, ja sogar Polizist zu Passant), grenzt an Selbstaufgabe. Das hört jedoch auch im privaten Leben nicht auf. So kommt die gesamte Belegschaft spontan mit, wenn der Chef zum Abendessen einläd, egal wie lange das dauert. Und wann gegangen wird, entscheidet man nicht selbst, das entscheidet der Gastgeber. In Diskussionen, in Geschäftsbeziehungen, in Freundschaften - stets wird versucht, die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Oder so zu verpacken, bis der Gegenüber sie erkennt, sie erfüllt und man damit um die Blamage herumgekommen ist, den eigenen Willen direkt zu äußern.
So ein Verhalten der an Selbstaufgabe grenzenden Höflichkeit weckt Verwunderung, denkt man doch an Geschichten über das imperial-brutale Auftreten früherer Generationen. Oder die unvergleichlichen Auswüchse von Pornographie und Gewaltdarstellung, z.B. in Computerspielen. Doch bereits in Vietnam hatten wir das Gefühl, dass asiatische, äußere Freundlichkeit in kurzer Zeit auf unberechenbare Aggression umschlagen kann.
In meiner Nachbarschaft war ein Junge, wir nennen ihn mal Jan H. (nicht Höpper ;) ), der in der Klasse meines Bruders war und für mich seitdem als Inbegriff der Auswirkungen einer zu harten Erziehung gilt - nach außen höflich und freundlich, aber hintenrum ein richtiges Arschloch. So kann man es bei den Asiaten nicht unbedingt formulieren. Aber dennoch suchen sich auch diese häufig Möglichkeiten, Emotionen und Fantasien zu kanalisieren, wohl in Wegen wie Pornographie oder Computerspiele, Comics oder virtuellen Welten. Für manche mag diese Trennung von Öffentlichkeit und Privatleben und die Einordnung der Individualität in letzteres einfach toll sein, besonders wenn man sie nicht begreift. Zu letzteren würde ich wohl all diejenigen zählen, für die Japan das Paradies der freundlichen Menschen ist. Aber man kann es auch für eine funktionierende Form der Gesellschaft halten, die halt von unserer verschieden ist. Besonders aus Korea, wo man einen ziemlichen tiefen Einblick in das Leben in Japan hat (allein schon aufgrund der geographischen und kulturellen Nähe und der Bedeutung der japanischen Wirtschaft für Korea), kommen eher kritischere Stimmen. "Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem Sachen wie Pornographie solches Ausmaß annehmen. Das ist einfach zu viel, das ist krank." Höre ich die Worte von Alice in meinen Ohren.
Da der Text jetzt schon zu lang ist und ich gleich zur zweiten Oktoberfestparty dieses Wochenendes muss, werde ich die Ausführungen nicht mehr weiter führen... spinne man selbst die Gedanken fort - ich schaue lieber betrunkenen Japanern beim Blamieren zu.
Männer mit schwarzen Handschuhen heben Bretter an die Körper derer, die noch nicht ganz im Waggon drin sind - und schieben. (Morgens in Tokyos U-Bahn)
U-Bahn-Alltag in Tokyo zur morgendlichen Rush-Hour. Erinnerungen an oben beschriebenes, welches ich auf dem Heimweg mit einer der ersten U-Bahnen während meines letzten Aufenthaltes einmal erleben durfte, wurden gestern wach, als ich das erste Mal wieder die hochfrequentierten Linien der Untergrundbahn in Japans Hauptstadt benutzte. Ich war zu Besuch bei Arne, der an der Keio University ein Auslandssemester macht. Diesmal nahm ich die letzte U-Bahn, nicht die erste, aber die war wohl ähnlich voll, denn es war der letzte Zug, der Tokyo mit dem Heim unzähliger Pendler, Yokohama, verbindet.
Im Bahnhof Shinjuku in Tokyos Westen wird täglich eine ähnliche Masse an Menschen "umgeschlagen", wie in allen deutschen Bahnhöfen zusammen.
Wenn man überlegt, dass im Bahnhof Shinjuku täglich eine ähnliche Anzahl an Menschen "umgeschlagen" wird, wie in allen deutschen Bahnhöfen zusammen, wird einem das Ausmaß der Menschenmassen vielleicht bewusst. Das es in diesen Situationen auch durchaus zu Problemen führt, zeigt die Einführung von Markierungen, die anzeigen dass zu Stoßzeiten gewisse Waggons nur von Frauen (und ihren Kindern) benutzt werden dürfen, um sie vor sexueller Belästigung zu schützen. Sicherlich ist es in so einem Gedränge schwierig, Gewolltes von Ungewolltem zu Trennen, doch scheint bei dem einen oder anderen japanischen "Salary Man" in diesen Situationen eine Sicherung durchzubrennen.
"Die wahre Natur eines Menschen zeigt sich erst in Extremsituationen" Ist einer der Stammtischweisheiten, die ich am liebsten benutze. Nun mag man munkeln, dass für den einen oder anderen Japaner dieses Wahnsinnsgedränge schon zum Alltag gehört. Doch was treibt jemanden, der sich an Bushaltestellen gemäß der Ankunftszeit einreiht, oder an U-Bahnstationen die Ankommenden nicht nur erst rauslässt, sondern dabei sogar in einer Supermarkt-ähnlichen Schlange wartet (siehe Foto oben), 5 min. später der jungen Dame in Schulmädchenuniform an den Hintern zu greifen?
Eine Stadt - eine U-Bahn: Ohne das System, dass wie ein Uhrwerk funktioniert, würde das endlose Häusermeer Tokyo wohl im Verkehrschaos versinkenSicherlich ist ein generelles Problem, dass die Rolle der Frauen in Japan noch eine andere ist, als bei uns. Wer mit 25 noch nicht verheiratet ist, wird schonmal abfällig als "Liegengebliebener (Weihnachts-)Kuchen" - man denke an den 24./25. Dezember - bezeichnet. Kinder zu kriegen wird mehr oder weniger als Hauptaufgabe im Leben der Frauen angesehen - und danach ist die noch junge Karriere in der Regel vorbei. Im öffentlichen Leben haben Frauen mit erheblichen Ungerechtigkeiten bei Gehältern und Jobsuche zu kämpfen. Während bei die Emanzipationsbewegung über Diskriminierungsprobleme wie die Namensgebungen für Hoch- oder Tiefdruckgebiete in der Wettervorhersage diskutiert, sind die Probleme hier noch wirklich essenziell. Das die Mädchen in der Schule in einem sonst (öffentlich) eher prüden Land Schuluniformen angezogen bekommen, die bei meinem sehr direkten Deutschlehrer Alfred Vollmer wohl die Worte "billige Schlampen" in den Kopf zaubern würden, mag man guten Gewissens als Ausdruck der Wertschätzung weiblicher Studenten auffassen.
Wer mit 25 noch nicht verheiratet ist, wird schonmal abfällig als "Liegengebliebener (Weihnachts-)Kuchen" - man denke an den 24./25. Dezember - bezeichnet. (Wikipedia über Japan)
Doch offenbart sich bei den U-Bahngrapschern vielleicht ein noch etwas tiefer liegendes Problem. Wer unserer Tage nach Japan reist, wird von der Höflichkeit im öffentlichen Leben trotz aller Erwartungen immer noch positiv überrascht werden. Die Freund- bis Herzlichkeit, mit der die Hierarchien im alltäglichen Service akzeptiert und letzterer ausgeübt wird (Supermarktangestellter zu Kunden, Mensakoch zu Student, Busfahrer zu Fahrgast, ja sogar Polizist zu Passant), grenzt an Selbstaufgabe. Das hört jedoch auch im privaten Leben nicht auf. So kommt die gesamte Belegschaft spontan mit, wenn der Chef zum Abendessen einläd, egal wie lange das dauert. Und wann gegangen wird, entscheidet man nicht selbst, das entscheidet der Gastgeber. In Diskussionen, in Geschäftsbeziehungen, in Freundschaften - stets wird versucht, die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Oder so zu verpacken, bis der Gegenüber sie erkennt, sie erfüllt und man damit um die Blamage herumgekommen ist, den eigenen Willen direkt zu äußern.
So ein Verhalten der an Selbstaufgabe grenzenden Höflichkeit weckt Verwunderung, denkt man doch an Geschichten über das imperial-brutale Auftreten früherer Generationen. Oder die unvergleichlichen Auswüchse von Pornographie und Gewaltdarstellung, z.B. in Computerspielen. Doch bereits in Vietnam hatten wir das Gefühl, dass asiatische, äußere Freundlichkeit in kurzer Zeit auf unberechenbare Aggression umschlagen kann.
"Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem Sachen wie Pornographie solches Ausmaß annehmen. Das ist einfach zu viel, das ist krank." (Alice)
In meiner Nachbarschaft war ein Junge, wir nennen ihn mal Jan H. (nicht Höpper ;) ), der in der Klasse meines Bruders war und für mich seitdem als Inbegriff der Auswirkungen einer zu harten Erziehung gilt - nach außen höflich und freundlich, aber hintenrum ein richtiges Arschloch. So kann man es bei den Asiaten nicht unbedingt formulieren. Aber dennoch suchen sich auch diese häufig Möglichkeiten, Emotionen und Fantasien zu kanalisieren, wohl in Wegen wie Pornographie oder Computerspiele, Comics oder virtuellen Welten. Für manche mag diese Trennung von Öffentlichkeit und Privatleben und die Einordnung der Individualität in letzteres einfach toll sein, besonders wenn man sie nicht begreift. Zu letzteren würde ich wohl all diejenigen zählen, für die Japan das Paradies der freundlichen Menschen ist. Aber man kann es auch für eine funktionierende Form der Gesellschaft halten, die halt von unserer verschieden ist. Besonders aus Korea, wo man einen ziemlichen tiefen Einblick in das Leben in Japan hat (allein schon aufgrund der geographischen und kulturellen Nähe und der Bedeutung der japanischen Wirtschaft für Korea), kommen eher kritischere Stimmen. "Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem Sachen wie Pornographie solches Ausmaß annehmen. Das ist einfach zu viel, das ist krank." Höre ich die Worte von Alice in meinen Ohren.
Da der Text jetzt schon zu lang ist und ich gleich zur zweiten Oktoberfestparty dieses Wochenendes muss, werde ich die Ausführungen nicht mehr weiter führen... spinne man selbst die Gedanken fort - ich schaue lieber betrunkenen Japanern beim Blamieren zu.
Eingestellt von
Jörn
um
10:38
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Japan Weekly
Ein Fernseher, begehbare Schränke mit Schiebetüren und 4 traditionelle Tatami-Matten als Bett- Mein Wohnheimszimmer."Huuuuntela Jooorn - San",liest der Japaner mittleren Alters, vor mir stehend, den Addressaten des Briefes in seinen Händen ab. Er steht mit mir in der Lobby eines der Wohnheime der Firma, und versucht mit Händen und Füßen zu erklären was ich mit eben jenem, enorm wichtigen, Umschlag nun anzufangen habe. Es handelt sich um den Herbergsvater - der sich keine Mühe scheut den ihm Anvertrauten das Leben leicht zu machen. Ich verstehe von seinem Japanisch natürlich so gut wie nix, ausser "Intanetu" und "Modemu" und das letzteres mir nun Zugang zu Ersterem verschaffen soll.
Das San macht aus der japanisierten Version meines Namens ein "Herr Hünteler Jörn", in der für hier richtigen Reihenfolge mit dem Nachnamen zuerst. San's habe ich schon viele kennengelernt. Da die meisten Namen mit -moto und -gawa enden, ist es mit dem Einprägen noch nicht weit her. Erinnerungen an die ersten Tage in China werden wach, als die Namen ins eine Ohr rein, ins andere Ohr wieder rausflogen.
Praktikum ist der Grund meines erneuten Aufenthaltes in Japan. 10 Wochen in einer japanischen Firma, als einziger Gaijin (=Ausländer) weit und breit. Was mich dazu trieb? Das verlockende Angebot, die Arbeit aus China in Yokohama für Geld weiterzuführen. Wer würde da Nein sagen?
Zurück zu Owaki-San, dem "netten Mann im Wohnheim". Vater mag andeuten, dass es in solchen Firmen-unterkünften in der Regel jung zugeht. Doch weit gefehlt - hier wohnen nicht etwa Auszubildende, sondern "Angestellte, die entweder ledig oder mit einer Frau verheiratet sind, die es ihnen nahelegt die Woche im Firmen-nahen Wohnheim zu verbringen", wie es Ayako ausdrückt, als wir uns in Yokohamas China-Town über japanischen Arbeitswahn und die Vorherrschaft der Frau in der Familie unterhalten.
Großraum Tokyo (37.2 Mio Einwohner) ...
...sowie das Ruhrgebiet (oben) und Köln (unten; zusammen ca. 7 Mio.) im gleichen Maßstab zum Vergleich.An dieser Stelle, und wohl auch zuvor beim Wort "erneuten Aufenthalt" wird sich der geneigte Leser fragen, auf wann sich dies bezieht und wo die japanischen Bekanntschaften herkommen. Fear in Loathing in Tokyo, Juni 2009, lautet das Stichwort. Der Blog hat davon leider nie etwas erfahren, was nicht zuletzt am wochenlangen Schlafdefizit nach Rückkehr nach Peking gelegen haben mag. Damals blieben mir, als ich am Flughafen verzweifelt mit meiner unsäglichen Müdigkeit dem Automatenkaffee in den Schlaf zu entkommen, folgende Erkenntnisse:
- Wenn du jemals dachtest, es wäre laut - denke zurück an die Patchinko-Spielhölle
- Wenn du jemals dachtest, es wäre voll - denke zurück an den Bahnhof von Shinjuku (täglich soviele Passagiere wie die gesamte deutsche Bahn), oder die Kreuzung in Shibuya mit bis zu 15.000 Fußgängern pro Ampelphase
- Wenn du jemals dachtest, es wäre teuer - denk an das Essen für 50 Euro pro Gericht und Person
- Wenn du jemals das Nachtleben einer Stadt wäre abgefahren ...
Die Wucht der Ereignisse in diesen Tagen, die meine Körpertemperatur auf (die Stewardess) beunruhigende 35.4 Grad herunterwirtschafteten, ließen mir keine Wahl: Ich musste zurück, diesmal für länger.


Shibuya - Tokyos Szeneviertel
Zurück ins jetzt, zurück in den Alltag. IHI - was für ein Konzern. Aus Ishikawajima-Harima Heavy Industries wurde vor zwei Jahren die Kurzform, die auch den Fantastischen Vier nun gefallen würde. Als ich am ersten Tag, frisch eingekleidet in den hellblauen Overall mit Schirmmütze, durch die Produktpalette blättere, finde ich so ziemlich alles, was ein Ingenieur bauen kann - von Brücken über Autos, Raketen und Öltankern bis hin zu DVD-Playern: Willkommen im japanischen Mischkonzern.
"Jorn-San, Jorn-San! Food, food!" Donnert und ruft es an meiner Zimmertür. Ich reiße die Augen auf - es ist 7 Uhr morgens. "Scheiße - vergessen aus der Liste auszutragen...", es ist wieder Owaki-San. Er holt mich zum Frühstück. "Frühstück?", werden verzweifelte Zijing-Geschädigte nun fragen. Nein, es gibt hier keinen Fraß, hier wird dreimal täglich feinste japanische Hausmannskost aufgefahren, 5 Gänge inklusive, plus Reis. Ähnlich wie in Korea gibt es zwischen den Mahlzeiten außer der Uhrzeit eigentlich wenig Unterschiede...
Die bisherigen 11 Tage waren ermüdent (viel Arbeit, wenig Schlaf), aber total intensiv. Viele nette Leute, neu und bekannt, sorgen dafür dass es mir hier hervorragend geht. Ich fühle mich feist, obwohl cih eigentlich nur Gemüse und Fisch esse. Achja, und rohes Pferd. Aber davon später mehr.
"Jorn-San, Jorn-San! Food, food!" Donnert und ruft es an meiner Zimmertür. Ich reiße die Augen auf - es ist 7 Uhr morgens. "Scheiße - vergessen aus der Liste auszutragen...", es ist wieder Owaki-San. Er holt mich zum Frühstück. "Frühstück?", werden verzweifelte Zijing-Geschädigte nun fragen. Nein, es gibt hier keinen Fraß, hier wird dreimal täglich feinste japanische Hausmannskost aufgefahren, 5 Gänge inklusive, plus Reis. Ähnlich wie in Korea gibt es zwischen den Mahlzeiten außer der Uhrzeit eigentlich wenig Unterschiede...
Die bisherigen 11 Tage waren ermüdent (viel Arbeit, wenig Schlaf), aber total intensiv. Viele nette Leute, neu und bekannt, sorgen dafür dass es mir hier hervorragend geht. Ich fühle mich feist, obwohl cih eigentlich nur Gemüse und Fisch esse. Achja, und rohes Pferd. Aber davon später mehr.
Eingestellt von
Jörn
um
19:21
Freitag, 11. September 2009
Home sweet home...
Hm... eine weiche Matratze. Obwohl ich mich dagegen in den 10 Monaten Zijing-21 (unser Wohnheim) strikt gegen den Kauf einer Luxus-Matte gewehrt hatte, muss ich nun zugeben: Es hat doch etwas angenehmes.
Zuhause angekommen! Meine letzten Cheng-Long-Vorräte (s.u.) wurden mir am Pekinger Flughafen abgenommen, was große Empörung meinerseits und nach meiner Drohung, es dem Gong-Fu-Künstler persönlich zu sagen, große Erheiterung seitens des Personals auslöste. Aber einen Schnitt musste ich ja schon machen, dachte ich mir. Also heißt es ab jetzt wieder: Deutsches Leben, deutsches Shampoo.
Bequeme 10 Stunden später öffnete ich die Tür zu meinem vertrauten Heim. Und wer jetzt denkt ich sage, "ach in Deutschland ist doch alles beim alten geblieben", der täuscht. Denn wir haben sowohl eine neue Sofagarnitur, als auch ein neues Messer, um am Tisch den Käse zu schneiden! Bevor ich hier des falschen Zynismus beschuldigt werde (zurecht!), muss ich zugeben, bis auf das Interieur auch noch nicht viel gesehen zu haben. Das Haus habe ich nämlich (nach knapp 24 Stunden) noch immer nicht verlassen. Zu wohlig war's heute Nacht im weichen Bett (ergo 11 Stunden Tiefschlaf), und zu viel gab es zu besprechen.
Unter anderem mit meinem Schulkollegen David Hemkemeyer, der mich besuchte um sich "letzte heiße Tipps" zu besorgen, bevor es heute abend ebenfalls Richtung Tsinghua geht. Und natürlich auch sonst, um sich ein bisschen auszutauschen. An dieser Stelle viel Glück, viel Spaß und genieß(t) die Zeit!
Und damit es auch noch etwas zu tun gibt, hier eine kleine To-Do Liste für David und all seine zukünftigen, was es alles in dem Jahr zu tun gilt, um unserem Jahrgang würdige Erben zu sein:
1) Es fing gut an: Bei der Institutsvorstellung die Propaganda-Betankung nochmal durch den Kopf gehen lassen (Täter möchte Anonym bleiben). Dieses Jahr sind die Automotives dran!
2) Zum Taxifahrer Tsinghua Daxue sagen und zu anderen Unis gefahren werden (beliebter Spaß: ich allein kann die Qing-Mao Daxue und eine seltsame BWL Uni, die aber zweimal, zu meinen Treffern zählen)
3) Prof Ma (VK1) diverse Bären aufbinden; z.B. sich mit einem "I wish you have good luck with your meeting next week!" für eine Woche nach Japan verabschieden lassen
4) Auch dieses Jahr wieder durch geschicktes Rumdrucksen Dr Wang Zhi's Pläne durchkreuzen und das Research Proposal auf das zweite Semester verschieben
5) Prof Shuai neue Playboy Schuhe kaufen
6) Einen neuen Spitzennamen für Prof Wang (Automotive Engineering 1) erfinden (Den "Märchenonkel" und "Die Fliege" gibts schon! :) )
7) 2 Baozi bestellen und 8 kriegen (und sich zurecht wundern)
8) Schon in der ersten Woche beim Koreaner bestellen (diverse Missverständnisse, u.a. extrem lustige, sind vorprogrammiert)
9) Sollten zu Zeiten des Jubiläums der Nation wieder die Damen unten notieren, wer rein und rausgeht, dann: Durch wiederholtes zur Tür und dann wieder zurück zum Aufzug ("oh ich hab was vergessen!") für Heiterkeit sorgen
10) Dem Bierautomaten eine dritte Reihe Yanjing verschaffen
... diese Liste ist noch nicht vollständig! Ich bitte über die Kommentarfunktion meine Mitstreiter um weitere Vorschläge!
Ach ja, und wie gehts weiter? Ich habe den Vertrag für das Praktikum in Japan in meiner Hand und werde damit morgen nach Aachen, um ihn vom Dekanat unterschreiben zu lassen. Wenns klappt, heißt es schon bald (in 3 Wochen): Bie le Deguo, Nihhon Konichiwa! Oder so ähnlich. Ich werde berichten.
Zuhause angekommen! Meine letzten Cheng-Long-Vorräte (s.u.) wurden mir am Pekinger Flughafen abgenommen, was große Empörung meinerseits und nach meiner Drohung, es dem Gong-Fu-Künstler persönlich zu sagen, große Erheiterung seitens des Personals auslöste. Aber einen Schnitt musste ich ja schon machen, dachte ich mir. Also heißt es ab jetzt wieder: Deutsches Leben, deutsches Shampoo.
Bequeme 10 Stunden später öffnete ich die Tür zu meinem vertrauten Heim. Und wer jetzt denkt ich sage, "ach in Deutschland ist doch alles beim alten geblieben", der täuscht. Denn wir haben sowohl eine neue Sofagarnitur, als auch ein neues Messer, um am Tisch den Käse zu schneiden! Bevor ich hier des falschen Zynismus beschuldigt werde (zurecht!), muss ich zugeben, bis auf das Interieur auch noch nicht viel gesehen zu haben. Das Haus habe ich nämlich (nach knapp 24 Stunden) noch immer nicht verlassen. Zu wohlig war's heute Nacht im weichen Bett (ergo 11 Stunden Tiefschlaf), und zu viel gab es zu besprechen.
Unter anderem mit meinem Schulkollegen David Hemkemeyer, der mich besuchte um sich "letzte heiße Tipps" zu besorgen, bevor es heute abend ebenfalls Richtung Tsinghua geht. Und natürlich auch sonst, um sich ein bisschen auszutauschen. An dieser Stelle viel Glück, viel Spaß und genieß(t) die Zeit!
Und damit es auch noch etwas zu tun gibt, hier eine kleine To-Do Liste für David und all seine zukünftigen, was es alles in dem Jahr zu tun gilt, um unserem Jahrgang würdige Erben zu sein:
1) Es fing gut an: Bei der Institutsvorstellung die Propaganda-Betankung nochmal durch den Kopf gehen lassen (Täter möchte Anonym bleiben). Dieses Jahr sind die Automotives dran!
2) Zum Taxifahrer Tsinghua Daxue sagen und zu anderen Unis gefahren werden (beliebter Spaß: ich allein kann die Qing-Mao Daxue und eine seltsame BWL Uni, die aber zweimal, zu meinen Treffern zählen)
3) Prof Ma (VK1) diverse Bären aufbinden; z.B. sich mit einem "I wish you have good luck with your meeting next week!" für eine Woche nach Japan verabschieden lassen
4) Auch dieses Jahr wieder durch geschicktes Rumdrucksen Dr Wang Zhi's Pläne durchkreuzen und das Research Proposal auf das zweite Semester verschieben
5) Prof Shuai neue Playboy Schuhe kaufen
6) Einen neuen Spitzennamen für Prof Wang (Automotive Engineering 1) erfinden (Den "Märchenonkel" und "Die Fliege" gibts schon! :) )
7) 2 Baozi bestellen und 8 kriegen (und sich zurecht wundern)
8) Schon in der ersten Woche beim Koreaner bestellen (diverse Missverständnisse, u.a. extrem lustige, sind vorprogrammiert)
9) Sollten zu Zeiten des Jubiläums der Nation wieder die Damen unten notieren, wer rein und rausgeht, dann: Durch wiederholtes zur Tür und dann wieder zurück zum Aufzug ("oh ich hab was vergessen!") für Heiterkeit sorgen
10) Dem Bierautomaten eine dritte Reihe Yanjing verschaffen
... diese Liste ist noch nicht vollständig! Ich bitte über die Kommentarfunktion meine Mitstreiter um weitere Vorschläge!
Ach ja, und wie gehts weiter? Ich habe den Vertrag für das Praktikum in Japan in meiner Hand und werde damit morgen nach Aachen, um ihn vom Dekanat unterschreiben zu lassen. Wenns klappt, heißt es schon bald (in 3 Wochen): Bie le Deguo, Nihhon Konichiwa! Oder so ähnlich. Ich werde berichten.
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Jörn
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